Wenn das Gedächtnis streikt

Der Krankheit Demenz begegnen viele Menschen mit Unsicherheit. Aufklärung gab es beim Altstadtgespräch.
Der Krankheit Demenz begegnen viele Menschen mit Unsicherheit. Aufklärung gab es beim Altstadtgespräch.
Foto: TA
Demenz war das Thema des Altstadtgesprächs im voll besetzten Alten Rathaus.Viele Fragen betrafen die Angrenzung zur Alltagsvergesslichkeit

Hattingen..  Ursachen, Anzeichen, Diagnosen und Hilfen: „Demenz – was ist das?“ fragt das Altstadtgespräch im Alten Rathaus und spiegelt damit die Unsicherheiten, Sorgen und Ängste der zahlreichen Besucher wieder. In offener Runde stellen sich die Referenten Rainer Poburski, Chefarzt für Neurologie im Evangelischen Krankenhaus, und Alexander Neidhard, Arzt und Supervisor, dem Publikum.

Auf emotionaler Ebene

Erste Frage: „Kann Demenz tatsächlich als Krankheit bezeichnet werden?“ Erste Antwort von Alexander Neidhard: „Jein.“ Demenz sei vielmehr ein krankhafter Zustand, gekennzeichnet durch die Abnahme geistiger Leistungsfähigkeit. „Neben Gedächtnisstörungen zeigen demente Menschen häufig Störungen in ihrer Denkweise sowie kognitive Einschränkungen, was zu einer Beeinträchtigung im Alltag führt“, erklärt der Arzt. Die Demenz müsse jedoch von einer gutartigen Alltagsvergesslichkeit, Verwirrtheit oder Depressionen abgegrenzt werden. „Daher ist eine Diagnose meist schwierig“, so Neidhard weiter.

Eine Zuhörerin möchte wissen, ob altersbedingte Einsamkeit eine Demenzerkrankung verursachen kann. „Nein, denn die Demenz hat einen organischen Ursprung“, sagt Rainer Poburski. „Einsamkeit kann dagegen eine Depression verursachen, die wiederum Gedächtnisprobleme hervorrufen kann.“ Wenn bereits eine Demenz-Erkrankung bestehe und eine weitere Erkrankung hinzukomme, nehme die Demenz noch zu, erklärt Poburski. Ob Demenz vererblich sei, möchten mehrere Interessierte wissen. „Bei Alzheimer spielt die Vererblichkeit eine Rolle“, bestätigt Neidhard. „Je jünger der Erkrankte ist, desto wahrscheinlicher ist eine Vererbung“, fügt Poburski hinzu. Eine klare Abgrenzung zwischen den Definitionen Altersdemenz und Alzheimer sei jedoch nicht möglich. „Es gibt eine Alzheimer-Erkrankung mit frühem und eine Alzheimer-Erkrankung mit spätem Beginn“, so Neidhard.

Als prophylaktische Maßnahmen gegen Demenz nennen die Experten neben geistiger und körperlicher Bewegung ebenfalls soziale Kontakte. Trotzdem gibt Poburski zu bedenken: „Der Ausbruch einer Demenz kann zwar verzögert, nicht aber gestoppt werden, wenn die Krankheit einmal ausgebrochen ist.“ Eine medikamentöse Behandlung von Demenz sei zwar möglich, berge jedoch Nebenwirkungen, so der Arzt. Besonders schwer sei eine Demenz-Erkrankung für die meist hilflosen Angehörigen. „Man muss Demenz-Kranken auf emotionaler Ebene begegnen“, berichtet eine Besucherin aus langjähriger Erfahrung: „Nur so kann man helfen.“

 
 

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