Was nach dem Weiltor 2014 bleibt

Foto: WAZ FotoPool
Lars Friedrich plädiert dafür, über das fünfte Stadttor neu zu diskutieren – auf einer moderierten Veranstaltung. Bürgermeisterin Goch sieht dafür keinen Grund.

Hattingen.  Es regnete in Strömen, als Hattingens fünftes Stadttor, das Weiltor 2014, nach nur einer Woche bereits wieder von der Bildfläche verschwand. Holger Vockert und Thomas Weiser, seine Erschaffer, hängten ihre aus 4500 Metern roter Flechtschnur bestehende Installation am Wochenende ab. Doch ist ihr Tor-Projekt damit auch aus den Köpfen verschwunden?

In einem Blog hat sich hierzu Lars Friedrich zu Wort gemeldet. Vockert und Weiser, betont der Vorsitzende des Heimatvereins, hätten mit ihrer „Vision“ gezeigt, wie sich der Platz nahe des historischen Stadttores künstlerisch auch mit wenig Geld beleben lässt. Durch ihr 850-Euro-Kunstwerk, finanziert durch private Sponsoren, hätten die Künstler dabei die Frage aufgeworfen: Muss Kunst viel kosten und anecken oder darf sie auch preiswert und gefällig sein?

Friedrich: „Die Umsetzung des Stadttor-Entwurfes des Katalanen Agustí Roqué wird nach dieser Aktion noch schwieriger.“ Denn wie, fragt er, könnten Stadt und Sparkassen-Stiftung jetzt, da ein Projekt heimischer Kulturschaffender bei der breiten Bevölkerung auf Zustimmung stoße, „noch viel Geld an einen auswärtigen Künstler für ein Werk zahlen, dessen bauliche Umsetzung auf ebenso tönernen Füßen steht wie seine Akzeptanz in der Bürgerschaft . . .?“

Eine „offene, ehrliche Diskussion“ darüber, welche Lösungsmöglichkeiten für das Weiltor nach der Aktion von Vockert/Weiser noch möglich sind, wünscht sich Friedrich – im Rahmen eines „kurzfristig moderierten abendlichen Meinungsaustausches“.

Bürgermeisterin Dagmar Goch hält eine solche Veranstaltung dagegen für nicht geboten. Das Stadttor-Projekt sei hinsichtlich grundsätzlicher Gestaltungsfragen „abgeschlossen“; über die Kunstwerke habe bereits im Jahre 1999 eine Jury entschieden. Auch, dass die Weiltor-2014-Installation eine Umsetzung des Roquéschen Stadttor-Modells (das nach dem Erstentwurf rund 200 000 Euro kosten sollte) gefährde, glaubt sie nicht. „Moderne Kunst hat es immer schwer mit Akzeptanz.“ Aber man dürfe nicht den Fehler machen, diese mit zeitlich begrenzter Aktionskunst zu vergleichen. „Damit wird man beiden nicht gerecht.“

Unabhängig davon hält Gochs Begeisterung für das Weiltor- 2014-Projekt an. Noch ehe Vockert und Weiser ihre Installation abgenommen hatten, habe sie sich diese persönlich angesehen. „So lebendig, so ausdrucksstark“, sei deren Werk, lobte Goch. „Mein Respekt.“ Sie wolle nun ein Gespräch mit den Künstlern führen. Und sie hoffe, dass das Weiltor 2014 viele Bürger anrege, „über die Bedeutung des Stadttor-Projekts für Hattingen nachzudenken“.

 
 

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