Warum Filter fürs Wissen wichtiger werden

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Hattingen.. Der achte Hattinger Mediensommer, eine der größten Veranstaltungen der politischen Bildung in ganz Deutschland, kann einen Teilnehmerrekord im Tagungszentrum des Deutschen Gewerkschaftsbundes am Homberg verzeichnen.

77 Teilnehmer, 13 Kinder und 15 Referenten besuchten in der vergangenen Woche das Event, bei dem sich alles um die Neuen Medien drehte.

Für Bildungsreferent Guido Brombach, der den Mediensommer konzipiert hat, steht dabei die Vermittlung von „Medienkompetenz“ im Vordergrund: „Die Menschen sollen erkennen, wie die digitalen Medien Gesellschaft, Arbeitsprozesse, andere Medien und in gewisser Weise auch das Denken beeinflussen.“ Die Erkenntnis, dass und wie sich das Internet von einer Informations- zu einer Kommunikationsmaschine entwickelt hat, erschließt sich seiner Erfahrung nach am besten durch den selbst schaffenden Umgang damit.

„Eine der wichtigsten Kompetenzen ist heute die Definition von Filtern für Sachverhalte“, führt der 37-jährige Medienpädagoge weiter aus. Durch die Möglichkeit des schnellen Zugriffs auf das Internet, das man im Handy „miniaturisiert“ in der Tasche immer dabei haben kann, wird das „Prozesswissen“, wie man Infos verarbeitet, viel wichtiger als das „Speicherwissen“. Der Filter soll helfen, die Infoflut zu bewältigen und Problemverständnis zu ermöglichen.

„Gerade die digitalen Medien stellen Erwachsene vor Herausforderungen, die ihnen das Verständnis ihrer eigenen Umgebung erschweren“, meint Medienexperte Guido Brombach. „Und um zu verstehen, wie sie den Weg des Meinungsbildungsprozesses verändern, muss man sich bewusst machen, wie YouTube und vor allem Facebook funktionieren. Für die Kommunikation jenseits der E-Mail ist aber die Nutzerkompetenz total wichtig, um zu begreifen, was Facebook mit dieser Gesellschaft macht – wie es Kommunikation monopolisiert, weil es sich nur bedingt von seinen Nutzern steuern lässt, ohne dass das den Menschen bewusst wird“. So werde zum Beispiel die Stream-timeline von Facebook gefiltert, so dass der Nutzer nie alle seine Freunde sehen kann.

„Wenn du einen Dienst nutzt, der umsonst ist, dann bist du nicht der Kunde, sondern das Produkt“, weiß Guido Brombach. Wie sehr diese Themen Teilnehmer und Besucher ansprechen, zeigen die lebhaften Diskussionen nach den Seminaren und bei abendlichen Kulturangeboten.

 
 

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