Wahrheit im Spiegel der Sichtweisen

Werner Reuber stellt ab Freitag im Stadtmuseum aus. Thema ist: „Halbe Wahrheiten“.
Werner Reuber stellt ab Freitag im Stadtmuseum aus. Thema ist: „Halbe Wahrheiten“.
Foto: Fischer
Am Freitag beginnt im Stadtmuseum Hattingen eine Ausstellung von Werner Reuber. Die großformatigen Bilder lassen viel Spielraum für Fantasie und werden so dem Titel „Halbe Wahrheiten“ gerecht.

Hattingen..  Die Wahrheit ist immer eine Frage der Perspektive, das müssen auch Journalisten täglich einsehen. Was die eine Seite für wahr und richtig hält, ruft bei der anderen Unverständnis hervor. Eindeutigkeit ist nie garantiert.

Der Künstler Werner Reuber interessiert sich genau für dieses Spiel: Das Spiel der Sichtweisen auf eine Situation, auf eine Momentaufnahme, auf einen Sachverhalt. In seinen Bildern hält er genau diese nicht eindeutigen Momente und Geschichten fest. Mal sind es Standbilder, mal aktive Szenen - die Suche nach der Wahrheit ist aber immer erfolglos. „An der Wahrheit gibt es erst einmal nicht viel zu rütteln. Wenn man aber genauer dahinter guckt, kommen doch Differenzen zum Vorschein“, sagt der Künstler.

Fantasie durch Illusionen

Eine Ausstellung im Stadtmuseum beschäftigt sich ab Freitag mit genau dieser Suche nach der Wahrheit. Unter dem Titel „Halbe Wahrheiten“ werden bis zum 8. November 15 großformatige Holzschnitte von Werner Reuber präsentiert. Hinzu kommen drei Keramikskulpturen sowie einige ältere Linolschnitte Reubers, der an der Kunstakademie Düsseldorf studiert hat und zu den Meisterschülern Gerhard Richters gezählt wird.

Die ausgestellten Drucke unterscheiden sich dabei erheblich in der Farbgebung und auch im Stil, was die Entwicklung des Künstlers in den vergangenen 35 Jahren zeigt. „Bei den Holzschnitten geht es mir nicht um die perfekte Darstellung der Vögel. Es reicht die Illusion, dass es Vögel sind“, so Reuber. Bei den Linoldrucken aus den 1980er Jahren sei der Stil noch detailgetreuer gewesen.

In der Thematik lassen sich die Kunstwerke aus vier Jahrzehnten aber miteinander verbinden. Denn es geht immer um die Beziehungen der Menschen zueinander oder zur Natur. Neben Personen kommt vor allem das Motiv der Vögel immer wieder zur Geltung. „Der Vogel ist ein Freiheitssymbol. Gleichzeitig wurde die Pest womöglich über sie übertragen. Und Tauben gelten vielerorts als Plage, verkoten alles“, sagt Reuber. Auch hier tauchen die halben Wahrheiten wieder auf.

Workshops zu Drucktechniken

Das Stadtmuseum legt im Rahmen der Ausstellung neben dem Thema Wahrheit einen Schwerpunkt auf die Drucktechniken, die Reuber und andere Künstler anwenden. Im Rahmen des Begleitprogramms zur Ausstellung wird es dazu je einen Workshop für Kinder (14. bis 16. Oktober) und Erwachsene (18. Oktober) geben. Zudem findet am 5. November, 19 Uhr, eine Lesung zu halben und anderthalben Wahrheiten statt. Die Ausstellung endet am 8. November, 11 Uhr, mit einem „Kunstpicknick“.

 
 

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