Von Rhythmus gepackt

Foto: Michael Korte
Beim Seniorentanz hält es kaum einen auf seinem Stuhl

Sprockhövel..  Noch ist die kleine Eingangshalle wie leergefegt. Außer einem kleinen, einsamen Tisch an der Zugangstür und einem Keyboard in der hintersten Ecke. Ein kahler Fliesenboden, in dem sich die einfallende Nachmittagssonne spiegelt. Doch kaum eine halbe Stunde später wird sich das karge Foyer in eine Tanzfläche verwandeln. Denn an diesem Samstag laden das städtische Seniorenbüro und die Awo Haßlinghausen wieder zum Seniorentanz, der an jedem dritten Samstag im Monat zelebriert wird.

„Zuerst tauschen sich die Besucher bei Kaffee und selbstgebackenen Kuchen aus. Aber sobald die Musik erklingt, strömen die Menschen auf die Tanzfläche, um sich zu bewegen“, erzählt Waltraut Uelendahl von der Awo. „In der Regel kommen so um die 80 bis 90 Senioren, oftmals dieselben, aber man sieht auch immer wieder neue Gesichter.“ So sind beispielsweise Margitta Noß und ihr Mann Waldemar das erste Mal dabei. „Wir kennen den Musiker, der hier auftritt, Wolfgang Lorenz, durch unseren Schwiegersohn. Wir haben ihn schon auf Vereinsfesten erlebt, das hat uns jetzt hierhin gelockt“, so die 63-Jährige. Sie sei gespannt, ob es ihr und ihrem Mann hier gefalle. „Doch wo Musik gespielt wird, ist es eigentlich immer schön“, sagt sie mit einem Lächeln im Gesicht und macht sich auf den Weg zu den langen Tischreihen, an denen Gebäck und Getränke verteilt werden.

Dann ertönen leise Keyboardklänge. Und wie Waltraut Uelendahl prophezeite: Schon erscheinen die ersten Paare, um ein Tänzchen zu wagen. Spätestens zu Liedern von Schlagerstar Andrea Berg hat die Menge der Rhythmus gepackt. Nur vereinzelt wird noch gesessen und im Takt mitgewippt. Doch nicht nur Schlager bringt die Senioren zum Schunkeln, erzählt Musiker Wolfgang Lorenz, der mit bunt gemusterter Krawatte hinter seinem Keyboard steht. „Die Veranstaltung heißt zwar „Seniorentanz“, doch mit alten Liedern kann man die Gäste hier nicht für sich gewinnen.“ Er spiele aus jeder Sparte etwas; von modernen Titeln wie „Something in the Water“ von Brooke Fraiser bis hin zu Klassikern von Elvis Presley. „Das Wichtigste ist, sich auf die Stimmung der Leute einzulassen.“

Gerade dieser bunte Mix an Liedern zieht Stammgäste wie die 69-jährige Ingrid Osthold immer wieder an. „ Ich habe immer sehr gern getanzt, deshalb ist diese Veranstaltung perfekt für mich. Ich tanze zu allem“, verkündet die Rentnerin freudestrahlend. Aber neben der Tanzerei wäre auch die Gemeinschaft, die sich über die Jahre entwickelt hat, etwas, das sie nicht missen möchte. „Die bedeutet mir als Witwe eine Menge.“

Ein umherschweifender Blick. Fröhliche Gesichter, wo man auch hinschaut. Am anderen Ende des Raumes tanzen die Eheleute Noß, singen und lachen. Der Besuch hat sich anscheinend gelohnt.

 
 

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