Vom Leben und Lieben im Alter

Foto: WP Michael Kleinrensing
  • Drei Veranstaltungen im Kick mit Liedern, Lesungen und Vorträgen
  • Liebe im Alter hat mit viele Facetten
  • Gießkannen-Code für das Kennenlernen auf dem Friedhof

Hattingen..  Für Senioren gibt es Veranstaltungen über Pflege, Freizeit und Mobilität. Doch über die Liebe? Das passiert wohl eher selten. Der städtische Treff Kick greift nun genau dieses Thema in der Reihe „Alt werden wie ein Baum – Leben und Lieben im Alter“ auf und füllt drei Termine mit Liedern, Lesungen und Vorträgen.

Doch über die Liebe im Alter: „Darüber spricht man doch eigentlich nicht“, sagt eine der Damen. Sie sei so nicht erzogen worden. Die 73-Jährige ist Teil eines Trios, das in der Küche hilft. Und während die Besucher im Saal den Liedern von Peter Rüddenklau und den Lesungen lauschen, geraten die drei Kick-Damen in eine muntere Diskussion über die Liebe und das Alter, über die Schwierigkeit oder Notwendigkeit, neue Partner zu finden und darüber, ob Sex noch eine große Rolle spielt.

Ein Herr, ebenfalls im besten Alter, gesellt sich neugierig hinzu und mischt bei der Unterhaltung kräftig mit. Und dann erinnern sich alle plötzlich wieder: Darüber spricht man doch nicht. „Nein, meinen Namen nenne ich nicht, da kann ich doch nicht mehr durch die Stadt gehen.“

Dabei ist ihr Gespräch ein gutes Beispiel dafür, dass Liebe im Alter ein Thema mit vielen Facetten ist. Oft scheint es schwierig, nach einer langen Partnerschaft, einer glückliche Ehe, jemand Neues zu finden. „Ich bin schon lange Mitglied eines Kegelclubs“, erzählt der Herr der illustren Runde. Nun brachte es die Zeit mir sich, dass die Männer des Clubs verstarben. „Wir haben sehr viele Witwen bei uns.“ Keine von ihnen habe einen neuen Partner gefunden.

In seinem Bekanntenkreis gebe es aber auch das andere Extrem. „Der Herr hatte nach dem Tod seiner Frau noch drei andere Partnerinnen, die er alle auf dem Friedhof kennengelernt hat“, erzählt er.

Der Friedhof als Kontaktbörse? Dabei schwingt eine Menge Ironie mit. Und das ist ihnen auch bewusst. Lachend erzählen sie, dass es sogar einen Gießkannen-Code gibt. Wenn eine Witwe angesprochen werden möchte, hält sie den Ausguss der Gießkanne nach vorne, sonst nach hinten.„Doch könnte ich mich wohl nicht wieder neu verlieben“, sagt eine Dame im grauen Pulli. Mit rüstigen 80 Jahren ist sie die Älteste in der Runde – und hat einen Freund. „Seit bereits 50 Jahren“, verrät sie. Heiraten wollte sie nie. „Dazu war ich einfach zu selbstständig.“

Die Liebe hält sogar Professoren auf Trab. Michael Vogt, Eheberater und Pädagoge an der Hochschule Coburg, hält im Zuge der Kick-Veranstaltungsreihe den passenden Vortrag. Der Akademiker bildet Paartherapeuten aus und hat ein Beratungskonzept für ältere Menschen entwickelt.

 
 

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