Vom Emscheplatz zum Armenhaus

Rechts: Emschestraße 26 mit dem Lebensmittelgeschäft des Hubert Sieger. Blickrichtung Armenhaus (etwa 1910).
Rechts: Emschestraße 26 mit dem Lebensmittelgeschäft des Hubert Sieger. Blickrichtung Armenhaus (etwa 1910).
Foto: Sammlung Wojahn
Heimatfreund Gerhard Wojahn setzt seinen Spaziergang durch die Emsche fort. Eine Geschichtstafel erinnert an das ehemalige Armenhaus in der heutigen Altstadt.

Hattingen..  In den 1970er Jahren sah man an der Emschestraße einigen aus dem 17. und 18. Jahrhundert stammenden Fachwerkhäusern das hohe ­Alter an. Die Stadtverwaltung entschloss sich zur Flächensanierung und ließ am Emscheplatz unter anderem das Mehrfamilienhaus Nr. 13 und das deutlich höhere massive Gründerzeitgebäude Nr. 15 (Gaststätte Stiftskrug) abreißen. Anfang der 1970er Jahre wurde die Baulücke in dem denkmalgeschützten Umfeld durch den Neubau Treufinanz ausgefüllt.

Ging man wenige Schritte auf der Emschestraße weiter, dann schaute man zuerst in die Schaufenster des „Schuhverkaufs Robert Fritsch“. Dahinter links biegt die Kirchstraße ab. Danach folgt der Treppenaufgang zum Kirchplatz und anschließend blickt man auf die aneinandergereihten Rückseiten der Fachwerkbauten, die auf dem Kirchplatz stehen. Auf der rechten Seite der Emschestraße mündet zunächst die Talstraße ein. Dann folgen das Lebensmittelgeschäft Hubert Sieger, der Friseur Heinenberg, der Klempner Hugo von der Heydt, der Lebensmittelladen Sauerwald und schließlich das Armenhaus.

Zu den geschichtlich interessanten Bauten dieses Straßenabschnitts zählt das „Armenhaus“. Wer waren dessen Nutzer? Im Allgemeinen blieben in den bäuerlichen Hofgemeinschaften die alten Herrschaften auf ihrem Altenteil. Sie und andere Alte und Kranke wurden mitversorgt. In den Städten des Mittelalters hingegen gab es gesellschaftliche Randgruppen; Menschen ohne Familienzugehörigkeit, Bedürftige, die nicht für sich sorgen konnten, wenn sie alt und krank wurden.

Auf einer Tafel an dem ehemaligen Armenhaus ist sein Werdegang wie folgt nachzulesen: „Im Sinne des ,Spitalordens vom Heiligen Geist’ entstanden Spitäler und Gasthäuser zur Alten- und Krankenpflege“.

1474 wurde in der Emschestraße auf Besitz der Kirche St. Georg „das Gasthaus erbaut zu Ehren Gottes und des Heiligen Geistes und der Patrone St. Georg und Margareta, die das Patronat übernahmen“.

Die Betriebskosten wurden durch öffentliche Sammlungen und fromme Stiftungen gedeckt und durch die Gastmeister, die das Haus und ihre Bewohner betreuten, verwaltet. Diese Gastmeister hatten auch die Bedürftigkeit zu überprüfen und gesunde Bedürftige zur Arbeit anzuhalten: Bewirtschaftung der hauseigenen Ländereien, Straßen kehren oder am Alten Rathaus beim Wiegen helfen.

1780 wurde das Heilig-Geist-Spital abgebrochen und das heutige Haus als „Armen- und Waisenhaus“ neu errichtet. 1919 wurde das Armenhaus aufgelöst und seine Bewohner ins Ev. Krankenhaus verlegt. Jetzt ist es ein Wohnhaus.

Historischer Laden

Die Altstadt besitzt eine Jahrhunderte alte Rarität. Es ist ein historischer Laden. Im Hause Steinhagen 11, dessen Fachwerk-Giebelseite zum Emscheplatz zeigt, befindet sich das Schmuckstück. Eine Tafel an der Hauswand erläutert die Einzelheiten wie folgt:

„Allgemein lassen sich Schlagläden vor den Zimmerfenstern nur zur Seite hin öffnen. Ganz anders dort am historischen Laden. Die beiden Schlagläden lassen sich nämlich nur nach unten öffnen. Das bietet einen Vorteil. Die Holzplatte wird in waagerechter Stellung mit einem Stab abgestützt und ist somit als Tisch für Auslagen zu nutzen. Wenn der Kaufmann seine Waren auf der Holzplatte ausgebreitet hatte, galt der Laden als geöffnet.“

Die Kunden schauten sich das Warenangebot von draußen aus an und tätigten dann den Kauf. Bei Geschäftsschluss räumte der Inhaber seine Artikel zurück ins Haus. Damit war der „Laden“ geschlossen. Die Geschichte lässt verlauten, dass das Haus an der Emsche „dat Hus op’m Sand“ hieß. Hier wurde der Sand verkauft, den man am Wochenende nach der Reinigung des Wohnraumes auf die Sandplatten des Fußbodens streute.

 
 

EURE FAVORITEN

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Deshalb gibt es den Aldi-Äquator

Beschreibung anzeigen