Violette Gipfel und rote Tänzerin

Die Vernissage für die Ausstellung " Meisterwerke des Expressionismus" fand am 23.03.2012 im Stadtmuseum in Blankenstein statt. Im Hintergrund ist das Bild Zirkusreiter von Max Pechstein zu sehen Foto: Udo Kreikenbohm/WAZ FotoPool
Die Vernissage für die Ausstellung " Meisterwerke des Expressionismus" fand am 23.03.2012 im Stadtmuseum in Blankenstein statt. Im Hintergrund ist das Bild Zirkusreiter von Max Pechstein zu sehen Foto: Udo Kreikenbohm/WAZ FotoPool
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Besucherandrang bei erster Kooperations-Ausstellung von Hattingen und Witten mit Gemälden aus dem Expressionismus

Hattingen.. Nicht nur wegen der Kunstwerke sind die zahlreichen Zuschauer zur Vernissage ins Stadtmuseum in Blankenstein gekommen. Die Ausstellung „Meisterwerke des Expressionismus“ ist zugleich die erste Kooperations-Veranstaltung zwischen Stadtmuseum und Märkischem Museum Witten.

Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch sagt über den Zusammenschluss: „Es hat Ängste gegeben, aber mit dieser Ausstellung sehen wir, dass wir auch etwas dazugewonnen haben.“ Die Gemälde stammen aus der Sammlung des Märkischen Museums Witten. „Ich denke, wir können hoffnungsvoll in die Zukunft schauen, diese Ausstellung macht Mut. Die Zusammenarbeit ist auf einem guten Weg“, meint die Bürgermeisterin. Dirk Steimann vom Vorstand des Kulturforums Witten verspricht den Hattingern: „Das Museum ist mit der Stadtgeschichte ein untrennbarer Teil Ihrer Identität und es soll auch zukünftig Ihr Museum sein.“

Die Werke der 18 Künstlerinnen und Künstler sprechen unter anderem die Themen Weltwirtschaftskrise und das Ende der Weimarer Republik an. Werner Scholz malte 1933 ein Ölgemälde mit dem Titel „Flucht“, das die Anfänge des Nationalsozialismus thematisiert. Düster wirkt es, die Gesichter der abgebildeten Menschen sind nicht zu erkennen, nur ihre Haare, ein Nacken, ein Stück vom Hals. Das Profil eines Mannes sieht gespenstisch aus. Die Menschen – mit dunklen Farben gemalt – stehen dicht aneinander gedrängt.

Nicht alle Bilder sind düster, die Ausstellung zeigt eine abwechslungsreiche Auswahl. Darunter sowohl detaillierte als auch abstrakte Aquarelle wie das Werk „Möckernbrücke“ von Anton Kerschbaumer oder Christian Rohlfs „Kirche in Tessin“, bei dem unzählige feine Striche einen Kirchturm bilden und die Maltechnik erkennen lassen. Die Besucher sehen Holzschnitte von Erich Heckel oder Otto Pankok, der mit „Landschaft am Abend“ von 1948 durch Halbmond und Sterne eine romantische Atmosphäre schafft.

Manche Künstler deuten Menschen, Tiere, Häuser, Landschaften und Städte nur mit Umrissen, wilden Linien, Ecken, Kanten oder Flächen an, andere konzentrieren sich auf kleinste Details, markante Elemente. Auch verschiedene Jahreszeiten sind künstlerisch dargestellt. Die „Schneelandschaft“ von Gabriele Münter (Öl auf Pappe, 1909) zeigt ein buntes Farbenspiel: Die Gipfel der Berge sind in Violett, in verschiedenen Rottönen gemalt, aber auch mit Blau, Gelb und Grün vollendet.

Nur mit dem Kontrast von Schwarz und Weiß, Hell und Dunkel hat hingegen Walter Ophey das „Bahnwärterhäuschen“ mit Kohle auf Papier dargestellt – kein Farbenspiel, sondern ein Schattenspiel. Zwischen den Bildern steht überraschend ein Bronzeguss: „Die Hungrige“ von Karel Niestrath aus dem Jahr 1928.

Beim Ölgemälde „Häuser in Soest“ von Eberhard Viegener sind die Farben in flächige Formen eingeteilt, nicht miteinander vermischt worden. In dunklen Tönen sind kantige Häuser und geschwungene Bäume zu sehen. Viel Bewegung zeigt auch das Ölbild „Zirkusreiter“ (1917) von Max Pechstein. Zwei Schimmel galoppieren, ein roter Artist hält stramm die Zügel, über ihm noch eine rote Tänzerin, die ihre langen Arme ausstreckt. Warme und kalte Farben sind im Bild gegenübergestellt.

 

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