Viele können nicht von Rente leben

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Zahl der Empfänger von Grundsicherung hat sich in zehn Jahren fast verdoppelt auf 651. FDP „wittert Schlimmes“: Wohngeld belastet Kassen der Kommunen.

Hattingen..  Die Fallzahlentwicklung „ist nicht wie bei Flüchtlingen“, erfuhr der Sozial- und Gesundheitsausschuss bei seiner Sitzung im Rathaus von der Verwaltung. Doch ist sie linear angestiegen und hat sich in zehn Jahren fast verdoppelt. 2015 gab es 651 Menschen, deren soziales Existenzminimum gesichert werden musste, 2005 waren es 356.

„Immer mehr Menschen im Ruhestand können sich als Rentner nicht selbst finanzieren“, fasste Beigeordnete Beate Schiffer zusammen. Höchstwahrscheinlich sind es mehr als 651. „Wir müssen sehr viel Überzeugungsarbeit leisten“, erklärt Marcel Rudka, Leiter der Abteilung Asyl, der sich vorher um das Thema gekümmert hat. Die Zahl der Anspruchsberechtigten sei höher als die derjenigen, die Grundsicherung bekommen. Der Grund: verschämte Altersarmut. Und die Angst, Kinder könnten zu Zahlungen herangezogen werden.

Anspruchsberechtigt sind Menschen über 65 Jahren: diejenigen, die die Altersgrenze erreicht haben. Diese steigt allerdings. Wer 1951 geboren wurde, muss fünf Monate über den 65. Geburtstag hinaus arbeiten, um die Altersgrenze zu erreichen. Grundsicherung bekommen auch ab 18-Jährige, die aus Krankheitsgründen auf Dauer nicht mindestens drei Stunden täglich arbeiten können.

Die Älteren können besser von ihrer Rente leben. Ihr Anteil an Grundsicherung ist klein. So bekamen sechs Frauen über 90 Jahren im Vorjahr Grundsicherung und 48 Männer und Frauen zwischen 80 und 89 Jahren. Mehr als die Hälfte – 163 Männer und 131 Frauen – war jünger als 65 Jahre.

Beim Leistungsumfang gibt es unterschiedliche Stufen. Ein Haushaltsvorstand bekommt 404 Euro im Monat. Hinzu kommen Kosten für Unterkunft und Heizung. Enthalten sind Beihilfen für Waschmaschine oder Staubsauger, die angespart werden müssen.

Die meisten Empfänger von Grundsicherung leben in Hattingen Mitte (363). Wichtig im Alter seien kurze Wege zum Arzt oder beim Einkauf, so Rudka. Und in der Stadt sei die Infrastruktur besser. Es folgen Welper (89) und Winz-Baak (73), Blankenstein und Holthausen (je 38). In Niederwenigern sind es 19, in Bredenscheid 15. Die Schlusslichter: Oberelfringhausen (5) und Oberstüter/Niederelfringhausen (je 1).

„Schlimmes“ witterte Gilbert Gratzel (FDP). Die Grundsicherung sei kostenneutral, „Wohngeld zahlen wir“, die Kommune, sagte er. Der Bund quetsche die Kommunen aus, deren Haushalte würden belastet. Dazu Marcel Rudka: „Dem kann ich nicht widersprechen.“ Wie berichtet, rechnet der Bund mit 60 Prozent mehr Wohngeldempfängern. Die Stadt prüft, womit die Bürger besser fahren.

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