Versunken, verschwunden, gefunden

Dirk Niggemann (links) und Klaus Fockenberg suchten am Dienstag in der Ruhr an der Anlegestelle Uferstraße in Witten nach einem verloren Ehering, der nach 90 Minuten gefunden wurde.
Dirk Niggemann (links) und Klaus Fockenberg suchten am Dienstag in der Ruhr an der Anlegestelle Uferstraße in Witten nach einem verloren Ehering, der nach 90 Minuten gefunden wurde.
Foto: Michael Korte
Dirk Niggemann und Klaus Fockmann sind Schatzsucher. Jetzt waren sie einem Platin-Eheringauf der Spur, den ein kühner Engländer vor zwei Wochen bei einem Hechtsprung in die Ruhr verlor.

Schatzsucher, die gibt es allenfalls auf der Kinoleinwand. Von wegen. Dirk Niggemann und Klaus Fockmann sind Auftrags-Spürhunde. Sie suchen zu Lande und zu Wasser, und das gar nicht selten. Jetzt ging es um einen Platin-Ehering. Und eine tolle Geschichte, und die geht so:

Daniel Dannert, gebeutelt von sich häufenden Junggesellenabschieden, die seine Leber arg strapazierten, wollte noch eins drauf setzen: Vor zwei Wochen organisierte er ein Jungs-Wochenende. Es kam auch sein Kumpel Ian Paull aus England, den er zuletzt im Juni bei dessen Hochzeit gesehen hatte.

Man tat, was man so tut: Fußball gucken, Bier trinken. Durch Kneipen ziehen, Bier trinken. Kanu fahren, Bier trinken. Und als die Kanutour an der Anlegestelle der Schwalbe endete, als also alle gerade die Kanus aus dem Wasser zerrten, was tat der Engländer? Sprang im Hechtsprung in die 15 Grad Celsius kalte Ruhr.

Der Nebeneffekt: Sein sehr wertvoller Platin-Ehering rutschte vom Finger, versank und verschwand. Die Ehefrau in good old England war not amused.

Inzwischen hat die Ruhr nur noch zehn Grad Celsius, der Wasserpegel ist dank der letzten Regenfälle erheblich gestiegen und damit auch die Strömung. Alles Schnorcheln half nichts: Daniel Dannert suchte nicht länger im Wasser, sondern im Internet und stieß dabei auf die beiden Essener Berufsfeuerwehrmänner. Gestern rückten sie mitsamt Tauch-Ausrüstung und Metalldetektor an.

„Trockentauchanzug“

Während Dirk Niggemann sich umständlich in seinen „Trockentauchanzug“ (ein Ganzkörper-Gummiding) nestelt, erzählt er. Wo hat er nicht schon verlorene Eheringe gefunden! In einer Wildwasserbahn! An der holländischen Autobahn! Eine Frau hatte dort während der Fahrt den Ring im Streit aus dem Fenster geworfen und wollte ihn nach Versöhnung doch zurück. Ein anderer Herr schmiss den Ring mitsamt Apfelkitsche aus dem Fenster. Ein anderer demonstrierte seiner Ehefrau, wie rutschig der Ring am Finger sitzt, und upps – weg war er.

„Vor allem suchen wir in Badeseen. Meistens Schmuck, seltener Handys“, sagt Niggemann und fällt auf die Knie. Tatsächlich drückt er nur die Luft aus seinem Tauchanzug. Klingt wie das Auspressen einer Luftmatratze.

Verrostete Bierdosen

Zunächst gehen die Männer zu Fuß ins Wasser, Metallsonde an, schon blinkt sie. Ein Erfolg? Aufgeregt werden die Taucherbrillen aufgesetzt, die Bleigürtel umgelegt und in mehreren Versuchen gegen die starke Strömung gekämpft. Es ist – eine verrostete Bierdose. Etliche Aludosen scheinen in der Ruhr zu liegen, denn Klaus Fockmann, der Taucher, fördert so einiges zu Tage. Eine Passantin erklärt sogleich, eine Studentin hätte hier vor kurzem ihr Handy in den Fluss gepfeffert – der Freund hatte Schluss gemacht. Oje, wir suchen doch den Platin-Ring.

Ian Paull zumindest ist via Handy zugeschaltet und langsam wird die Suche ernüchternd. Klaus Fockmann sucht inzwischen unter Wasser, mit Sauerstoffflasche auf dem Rücken, 55 Kilo Blei an den Hüften und der Sonde in der Hand. Er ist angeleint, damit die Strömung ihn nicht abtreibt. Sie vermuten, dass der Ring sich zwischen den Ruhrsandsteinen auf dem Flussboden verkeilt hat. Denn durch sein Eigengewicht habe ihn die Ruhr nicht fortgespült.

Und: Sie finden ihn tatsächlich! Nach neunzig Minuten, anderthalb Meter neben dem vermuteten Ort. „Es war super anstrengend“, sagt Dirk Niggemann später. „Und ziemlich kalt.“

Was sagt Ian Paull, als ihm die frohe Botschaft verkündet wird? Nichts. Er ist vor Glück einfach sprachlos.

 
 

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