Vereine und Verbände suchen Ehrenamtler

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Es gibt immer weniger ehrenamtliche Helfer in Vereinen und Verbänden. Der Zeitgeist steht dagegen, meinen viele.

Hattingen.. Vereine und Verbände klagen über fehlenden Nachwuchs. Der Ortsverein Blankenstein der Arbeiterwohlfahrt musste sich bereits auflösen. In den Sportvereinen fehlen freiwillige Betreuer. Immer weniger Hattinger arbeiten gerne unentgeltlich – einigen fehlt die Zeit, anderen der Wille. Sterben Ehrenamtliche aus?

Andreas Gehrke von der Freiwilligenagentur vermittelt 100 Ehrenamtliche im Jahr. „Davon 80 Prozent Frauen, die meisten im Alter zwischen 30 und 50. Viele möchten in sozialen Bereichen helfen, sich um ältere Menschen oder Kinder kümmern. Das gibt ihnen ein Gefühl, gebraucht zu werden, wenn die eigenen Kinder aus dem Haus sind oder der Partner verstorben ist.“ Kritisch sieht Gehrke jedoch die Zukunft mit Sicht auf den demografischen Wandel: „Immer mehr alte Menschen brauchen Unterstützung von Ehrenamtlichen.“

Ein möglicher Grund für die sinkende Zahl der Ehrenamtlichen: „Früher hieß es: Eine Mutter gehört zum Kind, da sollte ich nicht arbeiten gehen“, sagt Anita Brückner (69) vom AWO-Stadtverband Hattingen. Sie wollte sich trotzdem betätigen und trat der AWO bei. Aber: „Heute arbeiten Männer wie Frauen, da ist es manchmal schwierig, sich auch noch freiwillig zu engagieren“, versteht sie – auch wenn es sie traurig macht. ­„Besonders schwer wird es, einen Nachfolger zu finden, wenn jemand gestorben ist.“ Gesucht werden zum Beispiel Kassierer. Doch: „Die Leute fragen, was sie dafür bekommen“, so Anita Brückner. „Ich antworte: Ein Dankeschön von den Mitgliedern, die sich herzlich freuen.“

Gesellschaft schuld

Dass die Lust aufs Ehrenamt kaum noch vorhanden ist, meint auch Wolfgang Zimmermann, Präsident der SG Welper. „Das liegt an unserer Gesellschaft, Prioritäten haben sich geändert. Wenn die Kinder klein sind, engagieren sich die Eltern noch: Mütter waschen Trikots, helfen bei Veranstaltungen. Doch je älter die Kinder werden, desto stärker nimmt das Engagement ab.“

Ehrenamtliche werden für die Betreuung beim Fußballtraining oder bei Spielen gebraucht. So auch beim TuS Hattingen. „Ohne Freiwillige gäbe es unseren Verein nicht, dann würde nichts funktio­nieren“, erklärt TuS-Präsident Klaus Kampmann (67). „Vor 15 Jahren gab es noch viel mehr Ehrenamtliche, das hat mit den Arbeitsverhältnissen und Geschäftszeiten von heute zu tun.“

Bernd Loewe (63) von der Nachbarschaftshilfe (15 Mitglieder) und „Hattingen solidarisch“ (etwa 20 Mitglieder): „Wegen der fehlenden Finanzmittel in den Kommunen sind Ehrenamtliche so wichtig.“ Loewe wundert sich darüber, dass heute viele Menschen interessenlos sind. Er fordert: „Fernseher aus, runter vom Sofa und rein ins wirkliche ­Leben!“

 
 

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