Unbürokratische Hilfe für 550 Menschen

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Armutsbericht gab Anstoß zur Vereinsgründung. Hattingen solidarisch half in sechs Jahren mit Sach- und Geldmitteln in Höhe von 54 000 Euro. Anträge werden selten abgelehnt.

Hattingen.. An einem Tag geht Bernd Loewe mit einem Mann Material für die Wohnungsrenovierung einkaufen, der seinen Enkel aufzieht. An einem anderen zieht Ulrike Dieckmann mit einer Frau los, die ins Krankenhaus muss und der Pantoffeln wie Wäsche fehlen: Loewe und Dieckmann sind im Vorstand des Vereins Hattingen solidarisch, der das Leben von hilfsbedürftigen Menschen in Hattingen mit Sach- und Geldmitteln unterstützt.

Und das bereits im sechsten Jahr. Stolz ist der Vorsitzende Bernd Loewe darauf, dass insgesamt schon 54 000 Euro ausgegeben werden konnten. „Jeder Cent ging an die Bedürftigen. Wir haben keine Verwaltungskosten“, sagt er. Dabei hat der Verein nur 23 Mitglieder, ist also auf Sponsoren und Spenden angewiesen. „Wir leben von der Hand in den Mund“, sagt Loewe, denn viele Anträge gehen inzwischen beim Verein ein. Über die berät der aktuell fünfköpfige Vorstand regelmäßig. Ein Mitglied ist verstorben. Ersatz wird dringend gesucht. So wie auch weitere Mitglieder, die sich aktiv engagieren möchten und beispielsweise mit Menschen einkaufen gehen. „Bei der Zeiteinteilung ist man da völlig frei“, verspricht Loewe.

550 Menschen etwa hat der Verein inzwischen durch Antragsbewilligungen unbürokratisch geholfen. Auf die Vereinsgründung kam Loewe damals angesichts des Armutsberichts für den Ennepe-Ruhr-Kreis und „weil ich bei der Nachbarschaftshilfe selbst Bedürftigkeit erlebt hatte“. In Hattingen gibt es „etwa 5600 Menschen, die bedürftig sind. Besonders betroffen sind Kinder“, führt er aus.

Betreuungsbüros, Jugendamt, Caritas, Diakonie, Café Sprungbrett und andere liefern Hinweise auf bedürftige Menschen. „Wir sind gut vernetzt“, erklärt Mitglied Beate Loewe. Auch mit dem Verein Merlin arbeitet Hattingen solidarisch eng zusammen.

Ablehnung ist selten

Antragsablehnungen, die sind selten, weiß Vorstandsmitglied Daniela Lindgraf, „vielleicht zwei bis drei Prozent der Anträge lehnen wir ab. Aber wir diskutieren schon sehr viel über die einzelnen Fälle“. 13 Waschmaschinen finanzierte der Verein in diesem Jahr bislang. Haushaltsgeräte wie Kühlschränke und Elektroherde werden sehr häufig angefragt. „Aber wir finden, dass Geschirrspüler oder Trockner oft nicht zwingend notwendig sind“, sagt Andrea Steinbach. Und dann kommt eben auch mal eine Ablehnung. Sind die Geräte da, erhalten die Freiwilligen oft anrührende Rückmeldungen. „Oft habe ich Menschen mit tränenerstickter Stimme am Telefon“, so Beate Loewe.

Auch AVU-Rechnungen werden teils übernommen, aber meistens ziehen die Vorstandsmitglieder mit den Anfragenden zum Einkaufen los. Der persönliche Kontakt ist für alle wichtig. Und oft machen die Anfragen Bernd Loewe und Mitstreiter auch traurig: „Ein Sozialarbeiter hat mir eben erst gemeldet, dass an einer Schule etwa zehn Kinder weder Winterschuhe noch -jacke haben. Und das hier in unserer Stadt. .

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