Umweltminister: Guter Tag für EN und NRW

Foto: Michael Korte
Johannes Remmel kam zur offiziellen Eröffnung der Biogasanlage des Ennepe-Ruhr-Kreis. Interessierte konnten zudem bei einem Tag der offenen Tür einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Hattingen..  Rechts duftete im großen Festzelt das Büfett, 50 Meter weiter links stanken der komplette Grünabfall und vor allem der Biomüll aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis bestialisch. Zum Glück für die rund 100 gela­denen Gäste aus Politik, Verwaltung und Abfallwirtschaft luftdicht abgeschottet in der großen Halle. Die rund zwei Mio Euro vom Gesamtinvest, die AHE in Absauganlagen und Luftschleusen gesteckt hat, sind gut angelegt.

Frühere Offiziellen-Termine im Wittener Bebbelsdorf stufte Landrat Brux bescheiden zurück („das waren doch nur Begehungen“). Zur finalen Eröffnung reiste der grüne Landesumweltminister Johannes Remmel standesgemäß mit dem Zuge an, jedenfalls bis Dortmund Hauptbahnhof. Er kam ganz ohne symbolisches Roter-Knopf-Drücken aus (die Anlage läuft seit Monaten im Regelbetrieb), brachte dafür aber warme Worte mit.

„Das ist ein guter Tag, sowohl für den EN-Kreis als auch für NRW“, sagte Remmel und wünschte sich „viele Nachahmer“. Die Biogasanlage diene nicht nur der CO2-Reduzierung. Sie beweise auch, dass sich mit Klimaschutz sogar Geld verdienen lasse. Statt längere Transportwege in Kauf zu nehmen, „holen Sie die Wertschöpfung wieder in die Region“. Die Energiewende könne nur klappen, wenn die Kommunen und Kreise ihre Potenziale an der Schnittstelle von Abfall- und Energiewirtschaft ausschöpfen würden.

Landrat Dr. Arnim Brux dankte der AHE (50:50-Tochter von AVU und Remondis) für ihr „Risiko“, 15 Mio Euro in die neue ­Technik zu investieren. Er hoffe, dass sich das für das Unternehmen langfristig auch ökonomisch auszahle. Die Bürger könnten das durch ein hohes und möglichst sortenreines Biomüll-Aufkommen unterstützen.

Der Kreis hat der AHE zur Refinanzierung in einem 15-Jahres-Vertrag für die Abnahme von Biomüll einen Kurs von 70 Euro pro Tonne zugesagt. Die 330 000 Einwohner des Kreises kommen dafür mit einer um 1,35 Euro pro Bürger und Jahr erhöhten Müllgebühr auf. Ein zweiter Teil der Refinanzierung läuft über den Strom, der in den angeschlossenen Blockheizkraftwerken mit Biogas erzeugt wird. Die Stadtwerke nehmen ihn zum Garantiepreis von 18 Ct./KWh ab. Der Strom reicht für 2500 Durchschnittshaushalte.

„Wenn der Wind ganz stark ist und die Tür geöffnet wird, bekommt man mal eine Nase mit.“ Die Dame Mitte 50 steht neben der großen Halle, in der die Bioabfälle fermentiert werden, also in geschlossenen Hallen vergären. „Mehr als ein Kuhstall oder ein Komposthaufen stinkt das auch nicht“, meint sie. Sie hatte von den Sorgen der Anwohner gelesen, die eine starke Geruchsbelästigung befürchtet hätten. „Jetzt wollte ich mir mal ein eigenes Bild von der Anlage machen.“

Maschinist Stefan Kleine-Herzbruch führt die Besucher durch die Anlage. Er erklärt Arbeitsabläufe und den Fermentierungsprozess. Zwei bis drei Wochen wird der Müll jeweils vergärt. Die entstehenden Gase setzt man dann im Blockheizkraftwerk zur Stromerzeugung ein. „Es ist alles sehr sauber und ordentlich hier“, beschreibt Besucher Bodo Klausewitz (50). „Dass es kaum nach Müll riecht, wundert mich nicht: Solche Anlagen sind ja immer geschlossene Einheiten.“

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