Trostlos, aber praktisch

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Philatelist Norbert Schulte urteilt nicht positiv über die 3-Cent-Briefmarke, die als Übergangslösung dient. Gut verkauft wird sie trotzdem.

Hattingen.  Wer dieser Tage in seinen Briefkasten schaut, kann auf seiner Post mit großer Wahrscheinlichkeit eine schmale, unscheinbare und relativ farblose Briefmarke entdecken auf der eine große grau-weiße Drei abgebildet ist: die 3-Cent-Ergänzungsmarke. Schön ist sie nicht, aber praktisch. Wer noch 55-Cent-Marken im Schrank liegen hat, kann diese trotz Portoerhöhung weiter nutzen.

Das sieht auch Philatelist und Schatzmeister der Briefmarkenfreunde Hattingen Wolfgang Dederichs so: „Die 3-Cent-Marke ist grottenhässlich“, findet Dederichs, schränkt aber ein: „Das ist eben eine Kompromisslösung und die gibt es ja nur für eine Übergangszeit.“ Insgesamt könne er sich aber nicht beklagen über die Briefmarkenmotive, die in Deutschland herausgegeben werden: „Die sind sehr attraktiv.“

Auch dem stellvertretenden Vorsitzenden der Briefmarkenfreunde Norbert Schulte, gefällt die unscheinbare Marke nicht. „Sie erinnert mich an die Notopfer-Berlin-Marken. Die waren auch so trostlos“, sagt Schulte. Und erklärt sogleich, dass es sich dabei um einen Zwangszuschlag gehandelt hat, der zuletzt Anfang der 1950er Jahre zusätzlich zum normalen Porto auf die Post aufgeklebt werden musste.

Aber Schulte hat zumindest dafür, dass die 3-Cent-Marke deutlich schmaler ist als andere Briefmarken, eine pragmatische Erklärung. „Auf einem normalen C 6 Umschlag, auf dem auch noch Adresse und Absender stehen müssen, ist einfach nicht genug Platz für mehrere große Marken.“ Außerdem sei es ja nur eine Frage der Zeit bis die restlichen 55-Cent-Briefmarken aufgebraucht seien und es keinen Bedarf für 3-Cent-Marken mehr gebe. Er selbst habe sowieso jetzt keinen: „Ich habe genug 1-Cent-Automatenmarken vorrätig“, erklärt er.

Und wie steht die Deutsche Post selbst zu dieser eher blassen neuen Marke? „Das ist natürlich Geschmackssache. Für uns ist die Briefmarke letztlich ein Freimachungsmerkmal“, erläutert Pressesprecher Dieter Pietruck.

Von den Kunden werde sie in jedem Fall sehr gut angenommen. Sorgen, dass es nicht genug 3-Cent-Marken gebe, seien trotzdem unberechtigt. Insgesamt wurden 450 Millionen hergestellt.

Und ansonsten blieben ja immer noch die Briefmarkenautomaten, an denen man jeden beliebigen Wert eingeben könne, ergänzt Pietruck. Die gute Nachricht zum Schluss: Zwar wird die 3-Cent-Marke nicht schöner, dafür gibt es aber Mitte Januar die ersten Sondermarken zu 58 Cent.

 
 

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