Tochter sagt vor Gericht gegen Messerstecher-Vater aus Hattingen aus

Brigitte an der Brügge
Am Mittwoch war der zweite Prozesstag gegen einen Vater, der mit einem Messer auf seine Familie losging.
Am Mittwoch war der zweite Prozesstag gegen einen Vater, der mit einem Messer auf seine Familie losging.
Foto: WAZ FotoPool
Am Mittwoch kam es in Essen zum zweiten Prozesstag gegen einen 38-jährigen Hattinger, der wegen vierfachen versuchten Mordes angeklagt ist. Die Tochter beschrieb vor dem Schwurgericht, wie ihr Vater im Dezember mit einem Messer auf seine eigene Familie losging. Nur knapp verfehlte er damals die Kehle der 22-Jährigen.

Hattingen. „Ich bin absolut sicher, er wollte mir die Kehle durchschneiden“, immer wieder sagt das die 22-jährige Zeugin, so als könne sie es eigentlich immer noch nicht fassen. Sie spricht von ihrem Vater (38), dem Mann, der wegen vierfachen versuchten Mordes, auf der Anklagebank des Essener Schwurgerichtes sitzt. Am Mittwoch war der zweite Prozesstag. Der 38-Jährige ging laut Anklage am 4. Dezember mit dem Messer sowohl auf seine drei Kinder, als auch auf seine Ehefrau los.

Dreieinhalb Monate hatte der Vater alleine bei Mutter und Bruder in der Türkei verbracht. „Das war die schönste Zeit in unserem Leben“, es sei ruhig und friedlich gewesen, berichtet die Tochter. Eine Woche vor der Tat kehrte der 38-Jährige zurück. Die 22-Jährige gibt einen erschreckenden Einblick in das Leben in der Südstadt-Wohnung. „Er hasst eigentlich unsere Familie“, glaubt sie von ihrem Vater. Er habe die Kinder und die Mutter geschlagen. „Wir waren unter einem Dach aber fremd“, sagt sie. „Wir wollten einen Menschen, mit dem wir reden konnten“, das sei nicht möglich gewesen.

Das Motiv für die Tat ist ihrer Meinung nach, dass er nicht habe ertragen können, wie gut sie in seiner Abwesenheit ohne ihn klar gekommen seien. Er sei so aufgewachsen, dass immer das gemacht wird, was der Mann sagt. Einen kulturellen Hintergrund sieht die selbstbewusste junge Frau dennoch nicht.

Vor der Tat habe sie zu ihm gesagt, „Du bist unglücklich“, und ihm die Trennung vorgeschlagen. „Lass uns reden, meine Tochter“, soll er sie daraufhin ganz ruhig aufgefordert haben, um Sekunden später auf sie einzustechen. Die Kehle habe er nur verfehlt, so die Tochter, weil sie ihn gestoßen und er so ihre Gesicht getroffen habe.

Die junge Frau zeigt vor Gericht ihre Narben. Zwei Operationen hat sie hinter sich. Ein Nerv im Arm war geschädigt worden. Drei Monate sei sie pflegebedürftig gewesen. Als Linkshänderin ist sie besonders betroffen, kann noch heute nicht schreiben, keinen Stift halten. Sie habe Schmerzen und die Behandlung sei noch nicht abgeschlossen.

Der Prozess wird fortgesetzt.