Tagelang in Trinkwasser-Not

Foto: Sammlung Gerhard Wojahn
  • Tagesangriff durch viermotorige Bomber der Alliierten
  • Erhebliche Schäden an vielen Häusern und Straßen
  • Wasser wurde eimerweise an der Flussbadeanstalt Stolle entnommen

Hattingen..  Es ist heute 71 Jahre her, dass der Wasserturm an der Waldstraße bei Luftangriffen der Alliierten zerstört wurde. Hattinger Bürger waren tagelang in Trinkwassernot.

Am 14. März 1945 haben die alliierten Flugzeuge über dem Stadtgebiet von Hattingen etwa 1200 Sprengbomben abgeworfen und schwerste Zerstörungen in der Stadt und auf der Henrichshütte angerichtet. Dabei wurde auch die Stromversorgung zerstört. Am 18. März 1945 unternahmen alliierte viermotorige Bomber vom Typ Lancaster einen Tagesangriff.

Als sich das aus Westen nähernde Geschwader über Wuppertal befand, schwenkten die Maschinen auf Nord-Kurs, überflogen den Schulenberg und erreichten die Stadt. Die Bomber führten einen schweren Luftangriff aus. Von den Sprengbomben zerstörte ein Volltreffer das Hauptrohr am Wasserturm gleich neben dem evangelischen Friedhof. Folglich brach die Wasserversorgung in der Stadt Hattingen weitgehend zusammen.

Hinzu kamen die erheblichen Schäden an vielen Häusern, Straßen. Das dicht besiedelte Rosenberggelände mit den gepflegten Wohnstätten, das Wohnviertel Horst, die Johanniskirche, Krämersdorf, die Henrichs­hütte: Das alles und vieles mehr wurde schwer beschädigt. 175 Menschen verloren ihr Leben.

Das fehlende Leitungswasser zwang die Bürger zur Selbsthilfe. Mutige Männer und Frauen aus dem Wohnviertel Klein Langenberg und viele andere aus der Stadt haben das fließende, ungeklärte Wasser eimerweise der Ruhr nahe der Badeanstalt entnommen. Dann deckte man die Eimer mit einem hölzernen Frühstücks-Brettchen ab, so dass während des Transports das kostbare Nass nicht über den Eimer-Rand schwappte.

Der Transport war keine leichte Aufgabe, sondern eine Schlepperei, denn die Eimer waren stets mit zehn Litern gefüllt. Vom Ruhrufer bis zur Bahnhofstraße mussten zunächst im Ruhrgässchen mehr als zehn Meter Höhenunterschied überwunden werden. Anschließend standen noch bis zu zwei Kilometer Fußweg an.

Den Luftangriff auf Hattingen verfolgte ich damals im Augenblick des Geschehens als Kanonier bei der Deutschen Wehrmacht auf einer entsprechenden Landkarte. Im Plan-Quadrat „Ludwig-Paula-fünf“ (Hattingen/ Sprockhövel) war die Meldung „Feindtätigkeit“ vom deutschen Luftwaffen-Sender im Münsterland einzuordnen. Allerdings erst ein Jahr nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft erfuhr ich von den Einzelheiten hinsichtlich der Luftangriffe auf Hattingen, der Toten, der zerstörten Häuser, Straßen, Werksanlagen usw.

Nur noch wenige Bürger können sich dieser Ereignisse erinnern. Aber die meisten von ihnen werden sich sagen: „Was geht es uns dagegen heute doch gut.“

 
 

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