Tafel-Schieflage war nicht bekannt

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Politik und Verwaltung wussten nichts von akuter finanzieller Vereinsnot. Stadt will weiter helfen, fordert aber Transparenz und Strukturveränderungen.

Hattingen..  „Ich habe am Frühstückstisch gesessen und war total entsetzt“, sagt Brigitte Serrano von den Grünen. Das von der Tafel angekündigte Aus hat sie ebenso überrascht wie den CDU-Fraktionsvorsitzenden Gerhard Nörenberg und andere auch. Wie die Stadt helfen kann, müsse jetzt geprüft werden.

„Ich glaube nicht, dass die Stadt sich entziehen will, sie schickt ja selbst Flüchtlinge zur Tafel“, erklärt Nörenberg. Die Stadtverwaltung hat „von der aktuellen finanziellen Schieflage der Tafel aus der Presse erfahren“, teilt unterdessen Stadtsprecher Thomas Griesohn-Pflieger mit.

„Weder der Fachbereich Soziales und Wohnen, noch die Sozialdezernentin, noch die Bürgermeisterin wurden von den Betroffenen auf die Probleme aufmerksam gemacht, noch wurden entsprechende Anträge gestellt“, versichert der Stadtsprecher. Möglichkeiten zu persönlichen Gesprächen habe es gegeben. Die Stadt unterstütze die Tafel „mit der Übernahme städtischer Leistungen in Höhe von 1100 Euro jährlich“.

Pfarrer Frank Schulte hatte nur mit der Tafel zu tun, als es noch die Kindertafel am Kirchplatz gab. Pfarrer Bodo Steinhauer aus Winz-Baak, der noch auf Gemeindefahrt in Kroatien ist, sieht die ganze Gesellschaft in der Verantwortung, um die Tafel zu erhalten. „Die Aufgabe bleibt“, findet er.

Frank Staacken, Fraktionsvorsitzender der Grünen, hat in den vergangenen Jahren „nichts von der Tafel gehört“. Es hätte die Möglichkeit gegeben, im Rahmen der Wohlfahrtspflege Mittel zu beantragen. Man hätte sich auch dafür stark machen können, dass der Verein von Bußgeldern profitiert, sagt er. Die Notlage hätte rechtzeitig kommuniziert werden müssen.

Dass die Arbeit der Tafel „einen wertvollen Beitrag zur Verbesserung der materiellen Situation vieler Hilfsbedürftiger, auch Asylsuchender, in Hattingen leistet, ist unbestritten“, so die Stadt. Für eine vertrauensvolle und fruchtbare Zusammenarbeit hält sie es aber für wichtig, „dass man über Probleme möglichst im Vorfeld spricht“, so Thomas Griesohn-Pflieger. Stadt und andere Einrichtungen hätten in den vergangenen Jahren „auf vielerlei Wegen versucht, der Tafel zu helfen“. Auch weiterhin sei die Stadt zu Gesprächen bereit.

Sie knüpft ihre Hilfe – die sei dann besonders erfolgreich, „wenn der Hilfsbedürftige bereit ist, seine Position, die ihn in eine missliche Lage gebracht hat, zu überdenken, nur so kann nachhaltig Hilfe zur Selbsthilfe fruchtbar sein“ – allerdings an Bedingungen. Gefordert werden Transparenz über Einnahmen und Ausgaben und dass Strukturveränderungen nicht tabu sind.

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