Täglicher Treffpunkt Thingstraße

Foto: Svenja Hanusch / WAZ Fotopool
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Das Café Prütt ist wichtig für Welper: Hier pflegen Anwohner soziale Kontakte und fühlen sich wohl.

Hattingen..  Welper ist der Stadtteil in Hattingen, der bei Themen wie Bildung und Ausbildung aber auch Integration von Migranten, Miteinander von Jung und Alt oder lokale Ökonomie am schlechtesten abschneidet (wir berichteten). Eine wichtige Anlaufstelle ist allerdings für viele Welperaner das Café Prütt an der Thingstraße 36. Seit sieben Jahren suchen hier vor allem ältere Menschen soziale Kontakte, kommen einmal raus aus der einsamen Wohnung und unter Leute, wo sie sich wohlfühlen und reden können. Inhaberin Manuela Vedder-Radtke (47) liebt ihren Beruf. Ihre Kunden sind ihr so wichtig, dass sie sich sorgt, wenn sie nicht wie gewohnt zum Mittagessen kommen. Und wenn sie eine schlechte Nachricht erfährt, besucht sie sie im Krankenhaus.

Das imponiert Ruth Krämer (77). Sie isst oder trinkt fast jeden Tag etwas im Café Prütt. „Es ist schön, dass sich jemand um mich Gedanken macht, wenn ich es nicht schaffe, herzukommen. Das ist etwas Besonderes. Um ins Café zu kommen, lasse ich zu Hause alles liegen. Selbst wenn ich nur alleine am Tisch sitze, Kaffee trinke und ein Kreuzworträtsel mache, freue ich mich hier zu sein.“ Mit dem Rollator kann sie den kurzen Weg zu Manuela Vedder-Radtke bewältigen. „Aber meine Knie tun weh, wenn ich in die Stadt nach Hattingen möchte, muss ich mir extra ein Taxi nehmen.“

Doch ab und zu muss Ruth Krämer in die Stadt: „Ich vermisse in Welper ein Geschäft, in dem ich qualitativ gute und schöne Unterwäsche kaufen kann. Dass wir in Welper Supermärkte haben, gefällt mir sehr. Ein paar Restaurants haben wir vor Ort auch, aber vieles ist in Welper den Bach runtergegangen.“

Während sie Spaghetti isst, geht draußen am Fenster Heinz Scholz vorbei. Auch er ist ein langjähriger Stammkunde. Er begrüßt Ruth Krämer und Inhaberin Manuela Vedder-Radtke. „Wir kennen uns hier alle gut“, sagt er, „es sind immer die- selben, die herkommen, das Café ist für uns ein herrlicher Treffpunkt. Abends trinken wir ein Bierchen und quatschen. Wir fragen, wie es den anderen geht, wir sind hier wie eine Familie. Wäre das Café Prütt nicht da, würde uns auf jeden Fall etwas fehlen.“

Außerdem backt Manuela Vedder-Radtke jeden Tag Kuchen und Torte. „Morgens mache ich zehn Teigböden und zaubere dann nach Lust und Laune Kuchen daraus. Experimentiere gerne.“ Manchmal Mango, Erdbeer oder Kokos. „Nur die Toffifee-Schoko-Sahne-Torte mache ich immer.“ Dafür steht sie gerne um halb fünf Uhr morgens auf. Und wenn es nach dem servierten Frühstück um die Mittagszeit ruhiger wird, huscht sie in die Küche, spült Schüsseln aus und backt weiter Torten. Gerade ist ein Stachelbeer-Käse-Kuchen im Ofen. Wenn viel los ist, dann hilft auch ihre Mutter aus – oder Töchter und Söhne.

Den Berg Spaghetti hat Ruth Krämer nicht geschafft. „Ich habe meine Tupperdose zu Hause vergessen“, sagt sie zu Manuela Vedder-Radtke. „Kein Problem, ich packe den Rest zum Mitnehmen gerne in einen anderen Behälter ein.“

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