Swing, Sympathie und Schabernack

Foto: Uwe Möller WAZ FotoPool
Foto: Uwe Möller WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Big-Band-Musik aus den 40er Jahren: Das Glenn Miller Orchestra sorgte in der Gebläsehalle für Stimmung.

Hattingen..  Eines vorweg: Das Publikum wollte das Glenn Miller Orchestra am Ende nicht mehr gehen lassen.

Doch beginnen wir von vorne. Der erste Eindruck, als die 16 Musiker auf die Bühne treten: elegante Männer mit Anzug und Fliege, die sofort Schwung in die Gebläsehalle bringen. Die Saxophonisten der ersten Reihe stehen auf, drehen sich im Takt, die anderen schnippen mit den Fingern. Den ganzen Abend lang schenken sie den zahlreichen Zuschauern professionelle Musik – spielen Stücke von Glenn Miller, andere weltberühmte Big-Band-Musik von Ray Anthony oder Harry James, aber auch viele unbekannte Melodien.

Mit ruhigen Titeln wie „Moonlight Cocktail“ oder „Stairway To The Stars“ gibt es ein bisschen Sommernacht im kalten Winter, ein bisschen Romantik, ein bisschen Herzschmerz. Da entsinnt sich die ältere Generation zurück, an den Tanzschulunterricht, an die Jugend.

Ein sanfter Bass zur Klarinette, da tritt Sängerin Leah Kline im blauen, mit Funkelsteinen besetztem Kleid auf die Bühne. Sie singt Doris Day: „Ain’t We Got Fun“.

Die Posaunisten setzen sich die Schalldämpfer auf den Kopf. Immer mehr Schabernack mischt sich zur Eleganz. Und auch der niederländische Direktor und Pianist Wil Salden beginnt mit dunkler Stimme zu singen. Bald schon bleibt kein Musiker mehr auf seinem Platz. Abwechselnd kommen die Herren nach vorne und halten ihre golden glänzenden Instrumente in das Mikrophon im Stil der 1940er-Jahre. Das Publikum jubelt und pfeift. Dann stehen die Posaunisten auf und umzingeln den Direktor, blasen ihm dunkle Töne entgegen. Die Zuschauer lachen.

Rote Fliegen

Spätestens in der zweiten Hälfte gibt es nicht nur viel zu hören, sondern auch viel zu sehen. Jetzt geht’s erst richtig los: Das Glenn Miller Orchestra gibt alles – mit roten Fliegen blasen sie einen Marsch. Das Publikum ist längst aufgetaut, klatscht zustimmend im Takt. Die Sängerin, jetzt auch in Rot, wagt ein paar Tanzschritte mit drei Herren. Ein Mann hebt begeistert die Hände, klatscht laut und ruft: „Bravo!“

Nach „Somewhere Over The Rainbow“ stellt der Pianist Wil Salden den jüngsten Musiker vor: Malte Dürrschnabel. Der schlanke 29-Jährige begrüßt alle mit einem charmanten Lächeln und entgegnet: „Hallo, meine Damen und Herren, vor zwei Jahren musste ich meine Karriere als professioneller Schwergewichtsboxer leider aufgeben. Das Arbeitsamt riet mir zu einer Umschulung als Orchestermusiker.“ Doch als jüngstes Mitglied hat er es nicht immer einfach. „Ich muss immer die Instrumente säubern und die Bühne fegen, abends die Kollegen noch ins Bett bringen.“ Die beginnen zu spielen und Malte Dürrschnabel schießt mit seiner Klarinette wie mit einem Gewehr in die Luft.

Weiter geht es mit „Don’t Sit Under The Apple Tree“. Dann steht ein Saxophonist auf, kneift die Beine zusammen, deutet an: Ich muss auf die Toilette und verschwindet. Eine Sekunde später kommt er mit braunem Mantel, Hut und Reisekoffer zurück, der Auftakt für „Chattanooga Choo Choo“.

Zum krönenden Abschluss laufen die Posaunisten zu „In The Mood“ durchs Publikum. Am Ende hat das Orchester alle so für sich eingenommen, dass Zugaben-Rufe zu hören sind. Und die humorvolle Art – das ist der Grund, warum das Publikum die Musiker nicht mehr gehen lassen will.

 

EURE FAVORITEN