Stummfilmdrama „Schlagende Wetter“ unter Tage

Szene aus dem Stummfilm „Schlagende Wetter“.
Szene aus dem Stummfilm „Schlagende Wetter“.

Hattingen.. Die restaurierte Fassung des Streifens „Schlagende Wetter“ läuft im Industriemuseum in historischer Kulisse. Begleitet wird der Stummfilm von einem Orchester.

In der Ausstellung direkt nebenan im Blickfeld geben sich Helden ein Stelldichein. Stummfilmliebhaber bekommen derweil ein Ruhrgebiets-Drama unter Tage geboten. Und sitzen mittendrin in echter Industriekulisse.

Die riesige Gasmaschine links neben sich, blicken sie im Industriemuseum auf die vier mal sechs Meter große Leinwand. Das Maschinen-Ungetüm versorgte die frühere Henrichshütte mit Energie. In „Schlagende Wetter“ spielt sich eine Tragödie unter Tage ab. Dazu bekommen die Besucher am kommenden Freitag und Samstag gehörig was auf die Ohren – vom WDR Rundfunkorchester Köln, das vor ihrer Nase sitzt und spielt.

An zwei Tagen steht eine Reise in die Vergangenheit auf dem Programm. Jeweils um 23 Uhr, wenn kein Licht mehr durch die nicht verdunkelbaren Scheiben der Gebläsehalle fällt. Düster geht es auch im Stummfilm von Karl Grune aus dem Jahr 1922/23 zu, der an Schauplätzen im Revier gedreht wurde, vermutlich in Essen.

Restaurierte Fassung aus verschiedenen Quellen zusammengepuzzelt

Ein Mädchen erliegt dem Charme eines Filou, der sie schwängert. Der Vater wirft die Tochter aus dem Haus. Sie wacht plötzlich auf in einer Siedlung mit Kind, ein Bergmann nimmt sie auf und heiratet sie. Zum Drama unter Tage kommt es, als der Kindsvater auftaucht. Der kommt um in den Flammen von „Schlagende Wetter“, erliegt der Explosion. Die junge Frau und ihr Mann werden zwar ebenfalls verschüttet, aber gerettet. Georg Graewe, Künstlerischer Leiter von „grubenklang. reloaded“, hat eine restaurierte Fassung zusammengepuzzelt aus verschiedenen Quellen, darunter italienischen. Sequenzen fehlten. Sie wurden ersetzt durch Standbilder und Texttafeln, das Ganze bildtechnisch aufwendig bearbeitet. Als der Film herauskam, wurde er auch politisch gedeutet, ein Zusammenhang mit der Ruhrbesetzung durch französische Truppen hergestellt. Schließlich hat der Hallodri einen französischen Namen und trägt eine Baskenmütze.

Wer bei Stummfilm in Schwarz und Weiß denkt, könnte Rot sehen. Oder auch Orange und Blau. Denn Farben sorgen in der kolorierten Fassung für „eine interessante Stimmung“, so gestern die Veranstalter im Pressegespräch. Bei der Vertonung reiste Graewe auch in die eigene Jazz-Vergangenheit zurück. Nicht nur Gruben sind Geschichte, sondern auch ihr Klangkörper. Jetzt wird er reloaded.

Der fünfte Akt des Dramas entstand in der Nacht zum heutigen Mittwoch. Die Aufführungen werden also eine Punktlandung. Die ersten 400 Leute, die am Samstag einen Sitzplatz ergattern, dürfen hinein. Dann wird dichtgemacht. Wer nicht auf Gewusel im Zusammenhang mit der Extraschicht steht, dem empfiehlt Sebastian Schalkau, Projektleiter von „grubenklang.reloaded“, die ruhigere Freitagsvorstellung für die Filmvorführung im Rahmen der Kulturhauptstadt.

 
 

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