Sternen-Wolf und Vollmond-Löwe

Foto: Fischer
Geschichten von zwölf Teilnehmerinnen eines Schreib-Workshops in der Stadtbibliothek entführten Zuhörer in fremde Welten.

Hattingen..  Aus welcher Perspektive schauen eigentlich Tiere auf ihre Welt? Wie sieht zum Beispiel der Alltag eines Faultiers aus? „Ich hänge erstmal eine Runde ab“, könnte ein regelmäßiger Gedanke sein, so glaubt es zumindest Jacqueline (14), die eine kleine Geschichte über den Faultier-Tag geschrieben hat.

Entstanden ist die Geschichte im Rahmen eines Schreibworkshops, der seit Jahresbeginn in der Stadtbibliothek stattgefunden hat. In zehn 90-Minuten-Sitzungen hat die Düsseldorfer Autorin Pia Helfferich zwölf Mädchen zwischen neun und 14 Jahren dabei unterstützt, ihre Kreativität und ihre Fantasie zu Papier zu bringen: „Ich habe versucht, den Kindern das Handwerk zu vermitteln und zu zeigen, wie man interessante Figuren entwickelt oder einen spannenden Anfang schreibt“.

Mit ihren Schreibaufgaben hat die Autorin den Kindern den Rahmen vorgegeben, in dem ihre Geschichten spielen sollten. Neben der Tierperspektive kam es auch zu Neuschöpfungen, etwa dem Sternen-Wolf und dem Vollmond-Löwen, der der Herrscherin der Nacht zur Hilfe eilen soll. Allgemein bewegten sich die meisten der Geschichten, die die zwölf Mädchen am Freitagabend in der Stadtbibliothek vortrugen, in fremden Welten oder auch oft in den Träumen ihrer Protagonisten.

Besonders überraschend, so Schreibtrainerin Helfferich, seien für sie die Ergebnisse einer Aufgabe gewesen, für die sie den Satz „Am Morgen waren die Berge verschwunden“ vorgegeben hatte. Während sich in einer Geschichte Bäume und Sträucher auf die Suche nach den Bergen machten, schrieb Vivien (13) über „die Berge in mir drin, die die Erfüllung von Träumen verhindern.“ Gemeint war der Kampf gegen eine Sucht.

Der Workshop hat zum zweiten Mal stattgefunden, drei der zwölf Mädchen waren zum zweiten Mal dabei. „Wenn die Altersgrenze etwas hochgesetzt wird, bin ich nächstes Jahr gerne wieder dabei“, sagt Jacqueline, die nach ihrem Text über das Faultier einen surrealistischen Text vorgestellt hat. „Der Sitznachbar hat den Titel des Textes vorgegeben, der Autor musste dann alle Ideen sofort aufschreiben. Wenn man keine neue Idee hat, schreibt man den Titel des Textes auf“, erklärte Helfferich. Bei Jacqueline ist in diesem Spiel ein Text über Pferde und Katzen entstanden, ein erbitterter und lustiger Kampf, den die Katzen gewinnen.

Dass der Kursus auch 2017 stattfindet, versicherte Heike Bein: „Die Workshops sind in allen teilnehmenden Bibliotheken sehr gut angekommen. Daher wissen wir, dass wir ihn auch in den nächsten Jahren anbieten können.“

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