Stadt setzt auf Asche

Michael Brandhoff
Sanierungsfall: Der Ascheplatz an der Marxstraße soll noch im Haushaltsjahr 2011 in Angriff genommen werden. Foto: Joachim Haenisch / WAZ FotoPool
Sanierungsfall: Der Ascheplatz an der Marxstraße soll noch im Haushaltsjahr 2011 in Angriff genommen werden. Foto: Joachim Haenisch / WAZ FotoPool
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Hattingen.  Verwaltung will weiterhin den Platz in Welper sanieren. Hedef und Holthausen werden in Vorlage erneut nicht berücksichtigt.

Die Stadtverwaltung hat einen neuen Fahrplan für das Thema Sport- und Kunstrasenplätze erarbeitet: Demzufolge soll in dem laufenden Haushaltsjahr der Ascheplatz in Welper saniert werden, in den Jahren 2012 oder 2013 der SuS Niederbonsfeld an der Kohlenstraße einen Kunstrasen bekommen, im Jahr 2014 der TuS Hattingen im Wildhagen. Erneut nicht berücksichtigt sind Hedefspor und der Förderverein Kunstrasen Holthausen, die als einzige bereits ihre feste Zusage über die Eigenleistung in Höhe von 150 000 Euro gegeben haben.

Kurzer Rückblick in den Mai 2010: Die Politik entschied, dass die drei Ascheplätze an der Kohlenstraße, der Marxstraße und im Wildhagen für 200 000 Euro (Sportpauschale) saniert werden. Falls die ansässigen Vereine – SuS Niederbonsfeld, SG Welper und TuS Hattingen – aber 150 000 Euro an Eigenmitteln zusammenbekommen, könnten Kunstrasenplätze erstellt werden. SuS und TuS wollen dies bis zum Jahr 2014 schaffen, die SG Welper verzichtete in einem Schreiben ihres Präsidenten Wolfgang Zimmermann im Herbst. Demzufolge stünde nach dem Ratsbeschluss jetzt die Sanierung an – Asche zu Asche.

Im Herbst und Winter regte sich Widerstand gegen den Beschluss. Vor allem Hedefspor rückte das Thema noch einmal in den Fokus und forderte Gleichbehandlung ein. Auch der Förderverein Kunstrasen Holthausen wurde wieder aktiv: „Aus drei in drei wird fünf in fünf – das wäre klasse“, erklärte dessen Sprecher Robert Laube.

Der Rat beschäftigte sich in seiner bislang letzten Sitzung am 16. Dezember erneut mit Kunstrasenplätzen und legte fest, dass sich der Runde Tisch Sport und der Sportausschuss noch einmal mit dem gefassten Beschluss aus dem Mai auseinander setzen werden.

Der Runde Tisch hat laut Verwaltungs-Vorlage intensiv diskutiert, dabei aber keine mehrheitsfähige Meinungsbildung erzielt. „Es gibt keine neue Feststellung“, sagte Achim Paas (SPD), der Vorsitzende des Sportausschusses, nach der Sitzung auf Nach­frage der Hattinger Zeitung. „Der Runde Tisch hat anderthalb Jahre detailreiche Arbeit geleistet, die Fakten liegen auf dem Tisch – wir ge­hen davon aus, dass die Verwaltung zum nächsten Sportausschuss eine neue Vorlage vorlegt.“

Diese liegt jetzt vor. U.a. mit Stellungnahmen der Vereine SuS Niederbonsfeld, SG Welper und TuS Hattingen zum aktuellen Stand der Dinge, die der Runde Tisch eingefordert hat. Demzufolge sieht es beim SuS zurzeit am besten aus: „Nach derzeitigem Stand kann wahrscheinlich davon ausgegangen werden, dass der SuS in der Lage sein wird, die für die Finanzierung erforderlichen Mittel aufzubringen.“ Als Zeitpunkt für eine mögliche Realisierung wird das Haushaltsjahr 2013 genannt, eventuell auch schon 2012. Für Welper geht eine Realisierung nur über das Erheben von Nutzungsgebühren, der TuS bleibt indes vage und ist „nach wie vor bestrebt“.

Hedefspor und Holthausen werden in der Vorlage mit keinem Wort erwähnt. Arif Turan, Vorsitzender von He­defspor, hat diese Entwicklung geahnt. In dieser Woche schrieb er einen Brief an die Dezernentin Beate Schiffer und die Mitglieder des Sportausschusses: „Bei sachlich-objektiver Betrachtung lässt sich feststellen, dass die Traditionsvereine bevorzugt behandelt wurden und werden. Sollte eine neue Verwaltungsvorlage erstellt werden, die die Umwandlung des Ascheplatzes im Rauendahl nicht berücksichtigt, behalten wir uns als Hedefspor alle Möglichkeiten vor, die uns die demokratische Gesellschaft bietet, zu nutzen, um einen Kunstrasen zu realisieren.“

Kommentar: Vorlage löst Unverständnis und Zorn aus

iese Vorlage der Stadtverwaltung löst Kopfschütteln aus, Unverständnis, bei Hedefspor und in Holthausen sicher auch Wut und Zorn. Nachvollziehbar, denn die Vereine, die den Eigenanteil garantieren, werden nach wie vor ignoriert. Dagegen bleibt es bei der Zusage für den TuS Hattingen, der bisher als einziger noch kein schlüssiges Konzept auf den Tisch gelegt hat, und jetzt auch nur lapidar erklärt, er strebe an, auf der Grundlage des Rats­beschlusses zu einem Kunstrasenplatz zu kommen.

Auch der Vorschlag, dass der Ascheplatz an der Marxstraße saniert werden soll, zeigt keine Weitsicht. Es wird weiter auf einen veral­teten, unattraktiven Belag ge­setzt, der zwar bei der An­schaffung günstiger ist, auf Dauer aber weitaus höhere Kosten verursacht.

Jetzt ist die Politik am Zug. Die großen Parteien haben mehrfach betont, dass sie keine Ascheplätze sanieren wollen, und dass bei den Kunst­rasenplätzen die Formel „fünf Plätze in fünf Jahren“ zu favorisieren sei – man darf also gespannt sein, wie der Sportausschuss am 2. März entscheidet.

Michael Brandhoff