Sozialer Wohnungsbau ist dringend nötig

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Hattingen.  8251 Wohneinheiten im Bestand der geförderten preisgünstigen Mietwohnungen. Das war einmal. Seit diesem Wert aus dem Jahr 1980 hat die Anzahl rapide abgenommen – auf 4850 Wohnungen 1990. Und im vergangenen Jahr waren im sozialen Wohnungsbau noch 1260 Wohnungen übrig. Die letzte Förderung in diesem Bereich gab es 2011. Und das, obwohl es „einen großen Bedarf nach preiswertem und barrierefreiem Wohnraum, besonders in der Innenstadt“ gibt, erläutert Werner Homann, Leiter des Fachbereichs Soziales und Wohnen bei der Stadt Hattingen die Problematik.

Allein im Zeitraum zwischen 1992 und 2012 ist der Sozialwohnungsbestand in Hattingen um 72 Prozent geschrumpft (-3310 Wohnungen). Bis 2020 erwartet Homann einen Rückgang um weitere 20 Prozent. Der Grund: Viele Wohnungen fallen aus der Belegungs- und Mietbindung weil die Mittel planmäßig oder vorzeitig zurückgezahlt sind. Allein in Hattingen Mitte betrifft das zwischen 2009 und 2022 deutlich über die Hälfte der geförderten Mietwohnungen – in Zahlen 456 von 786. Zuwächse im Bereich der Sozialwohnungen halten sich aber in Grenzen. So wurden in den letzten 20 Jahren nur 284 neue Mietwohnungen gefördert. Das geht aus einer Statistik der Stadt hervor.

Das letzte öffentlich geförderte Projekt war der Ruhrbogen. Dort entstanden 18 Wohnungen, die im Sommer letzten Jahres bezugsfertig waren. „Die sind alle sehr gut weggegangen“, berichtet Werner Homann. Durch die öffentliche Förderung hat die Stadt für diese Wohnungen das Belegungsrecht für 20 Jahre. Das heißt, sie darf die Mieter auswählen. Seit diesem letzten Projekt habe es hin und wieder konkrete Anfragen von Investoren gegeben, weiß Homann. Bewilligt sei im Bereich des sozialen Wohnungsbaus aber noch nichts.

Andere Bauprojekte gibt es freilich. Homann erwähnt den Neubau der Gartenstadt Hüttenau in Welper und den Umbau in der Südstadt durch die HWG. Beide Wohnungsgenossenschaften nutzen derzeit keine Förderprogramme zum Bau von Sozialwohnungen. „Der Bedarf ist nicht da“, meint David Wilde aus dem HWG-Vorstand. In Hattingen gebe es keinen angespannten Wohnungsmarkt. Außerdem liege die HWG mit dem Großteil ihrer 4200 Wohnungen „im günstigen Bereich unter dem Mietspiegel“. Für die kleinsten Wohnungen bis 45 Quadratmeter liegt der – je nach Alter der Wohnung – zwischen 5,52 und 6,75 Euro/m² und für die größten ab 90 Quadratmeter zwischen 5,12 und 6,35 Euro/m². Zum Vergleich: In einer öffentlich geförderten Wohnung darf der Vermieter im Neubau 5,10 Euro/m² Kaltmiete verlangen.

 
 

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