Sophie Hahn ist eine Musungu, eine weiße Frau

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Sonderpädagogik-Studentin wünscht sich Lehrkraft für geistig Behinderte in Afrika.

Hattingen..  Ein wenig versteht Sophie Hahn schon von der Landessprache. Seit Anfang Oktober absolviert sie ein halbjähriges Praktikum im Heim „Glaube und Licht“ der Afrika-Hilfe-Stiftung in Ruanda. Und ist angetan: „Jeden Tag begeistern mich die Bewohner aufs Neue mit ihrer Lebensfreude und ihrem Mut, wodurch sie trotz Armut und einfachen Umständen so viel lachen und glücklich sein können“, schreibt sie in einem Brief an die Freunde und Förderer der Stiftung, der überschrieben ist mit „Sophie, ndashaka kwandika“ (Sophie, ich möchte schreiben“).

Genau weil sich die Schützlinge mit solchen Anliegen an sie wenden, wünscht sich die Sonderpädagogik auf Lehramt Studierende mehr schulische Förderung der 30 Bewohner zwischen drei und 47 Jahren. Am Vormittag fehlt Hahn eine sinnvolle Beschäftigung für die Kinder. Nur zu singen, sei nicht genug, meint die junge Frau aus Niederwenigern. „Ein großes Anliegen von mir wäre es, vormittags eine Lehrkraft fest in die Strukturen des Hauses zu integrieren, damit die Lernfreude der Kinder nicht verloren geht und sie für die Zukunft die Aussicht auf eine einfache Arbeit und ein eigenständiges Leben erhalten.“ Das Praktikum empfindet sie selbst als großes Geschenk. Die Kinder bezeichnen sie als „Musungu“, eine weiße Frau. „Sie sind neugierig, wollen wissen, wie sich meine Haare anfühlen und streichen über meine helle Haut. Bei der Arbeit mit den Kindern kann ich eigene Ideen einbringen und mit einigen Kindern konnte ich Zahlen und Buchstaben üben. Die Kinder haben so viel Spaß an den Zahlen und Buchstaben, das hätte ich nicht gedacht. Ich entdecke hier bei den Kindern auch immer wieder neue Talente. Ein Mädchen hat mir ein ganzes Gebet vorgelesen – ich wusste gar nicht, dass sie lesen kann!“

Nach Praktikumsende wird der Vorstand der Stiftung mit Sophie Hahn auf das halbe Jahr zurückblicken, will den von ihr geäußerten Wunsch nach Einstellung einer Lehrkraft erörtern, so Johannes Küpperfahrenberg von der Stiftung. „Es erweist sich schon jetzt als sehr wertvoll, dass eine zunächst gänzlich unbeteiligte Person Vorstellungen und Wünsche hinsichtlich der weiteren Förderung der Heimbewohner entwickelt, die denen der Stiftung entsprechen.“

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