Skulptur statt Spielgerät

Foto: WAZ
„Die Liegende“ lässt Bürger aufstehen: In Leserbriefen und auf der Straße schimpfen viele über den Kunstankauf.

Hattingen..  Die Skulptur „Die Liegende“ ist bekannt auf der oberen Heggerstraße. Beliebt ist sie jetzt nicht mehr so. Seit Bürgermeisterin Dagmar Goch bei der letzten Ratssitzung mitgeteilt hat, dass die Stadt die Plastik für 25 000 Euro angekauft hat, die im Konjunkturpaket II des Bundes noch übrig waren, wächst der Zorn: Wir brauchen keine Skulptur, wir brauchen Spielgeräte für Kinder, beschweren sich Eltern. Viele sind überrascht, dass ein Konjunkturpaket für einen Kunstkauf genutzt werden kann, während an vielen Standorten Bürger die Spielgeräte für ihre Kinder selbst finanzieren und marode Spielplätze reparieren müssen.

Stadtsprecher Thomas Griesohn-Pflieger legt Wert auf den Zusammenhang: „Von dem Konjunkturpaket wurde das Gymnasium Waldstraße saniert und das neue Pflaster der oberen Heggerstraße bezahlt. 25 000 Euro blieben dann noch übrig.“ Kurzfristig habe sich die Stadt dafür entschieden, die Skulptur von Heinrich Brockmeier anzukaufen. Sie war im Jahr 2007 auf der oberen Heggerstraße installiert worden und für fünf Jahre Dauerleihgabe.

Bleibt die Frage: Warum Kunst und keine Spielgeräte? Griesohn-Pflieger: „Der Bund stellt mit dem Konjunkturpaket nur zweckgebundene Gelder zur Verfügung, zum Beispiel für Maßnahmen der Infrastruktur und der Bildungsinfrastruktur.“ Einfach so hätte die Stadt von dem Geld keine Spielgeräte bekommen, beteuert Griesohn-Pflieger. ­Allenfalls hätten Geräte für die obere Heggerstraße angeschafft werden können, da das Konjunkturpaket die Möblierung der Baumaßnahmen mit einschließt.

Es gebe zwei Gründe dafür, warum sich die Stadt gegen neue Spielgeräte und für die Skulptur auf der oberen Heggerstraße entschieden hat. Erstens: „Auf dem Stück gibt es bereits ein Karussell und Wippen, wir halten das für ausreichend“, so Griesohn-Pflieger. Zumal „Die Liegende“ gerade bei Kindern beliebt sei: als Spielgerät. Zweitens drohten die 25 000 Euro zu verfallen, da der letzte Ausgabetermin näher rückte. „Wir hätten es nicht rechtzeitig geschafft, Spielgeräte zu bestellen.“

Der Stadtsprecher kennt die Bürgerkritik. „Kunst im öffentlichen Raum ist immer umstritten, da gibt es auf der einen Seite Vorwürfe, von anderen Lob.“ Allgemein gelte: Überall könnten Spielplätze und Geräte verbessert werden, Geld dafür hätte es aber in diesem Topf nicht gegeben. Und: „Die Stadt arbeitet an einem Spielflächenplan, der im Frühjahr fertig sein soll.“

Die Elterninitiative aus Niederwenigern ist eine von de- nen, die selbst aktiv wurden. Ilona Battling und ihre Mitstreiter gingen von Tür zu Tür, sammelten für den Spielplatz am Uhlenkotten. Mit Erfolg: Seit Juli wird dort wieder getobt. 5000 Euro steuerte die Stadt bei. 25 000 Euro sammelte die Initiative für Spielgeräte – so viel, wie die Stadt jetzt für „Die Liegende“ ausgab.

 
 

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