Schwimmen lernen ohne Kopftuch und Burkini

Sabine Weidemann
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Muslimische Frauen werden im Südstadtbad gemeinsam mit ihren Kindern unterrichtet. Kursus war in kürzester Zeit ausgebucht. Das Angebot soll für ganz Hattingen ausgeweitet werden.

Hattingen.  Zwei Drittel der Vor- und ein Drittel der Grundschüler können nicht schwimmen. Das hat der EN-Kreis vor einem Jahr aus Zahlen der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) hochgerechnet. Besonders Kinder aus Familien mit Migrationshintergrund sind im Wasser oft unsicher. „In unseren zweiten Klassen können 22 von 25 Kindern nicht schwimmen und bei 40 Anmeldungen für das nächste Schuljahr kann nur ein Kind schwimmen“, beschreibt Petra Schimanski, Leiterin der Heggerfeldschule, die einen relativ hohen Migrantenanteil hat, die Lage. Ein Problem: Muslimische Mütter können mit ihren Kindern kein öffentliches Bad besuchen, um schwimmen zu lernen. Bis jetzt. Denn nun wagen sich die Frauen gemeinsam mit ihren Kindern in einem eigenen Kursus ins Wasser.

„Mein Sohn hat sich so gefreut, dass wir zusammen im Wasser lernen können“, berichtet Fatma Mešic (28). Gemeinsam mit vier anderen Frauen und acht Kindern besucht sie den Schwimmkursus, der vom Awo-Jugendmigrationsdienst finanziert wird. Die Idee des gemeinsamen Unterrichts für Mütter und Kinder entstand im Elterncafé. „Innerhalb von zwei Stunden war der Kursus voll und es gibt schon lange Wartelisten“, freut sich Schulsozialarbeiterin Inge Kampmann.

Einmal pro Woche tauchen Frauen und Kinder jetzt mit zwei Schwimmlehrerinnen der Augusta-Akademie ab. „Das spornt die Kinder an, wenn die Mama auch schwimmen lernt. Aber bei den Kindern ist die Angst vor dem Wasser nicht so groß wie bei uns“, sagt Nevriye Uçuran (40) lachend. Sie ist zwar in Deutschland aufgewachsen, hatte aber nie die Möglichkeit, den Schwimmunterricht zu besuchen. Das holt sie jetzt nach. „Die Kinder haben gefragt, ob sie im Schwimmbad das Kopftuch tragen müssen“, schmunzelt die Mutter und erklärt, dass alle einen normalen Badeanzug tragen. Möglich ist das durch den gesonderten Unterricht für die Frauen. Im Urlaub am Strand dagegen trage man einen Burkini, der den Körper bedeckt.

Bald soll das Projekt ausgeweitet werden. Ob ein zweiter Kursus angeboten werden kann, ist eine Frage der Finanzierung. „Aber wir hoffen, dass wir einen zweiten ab April und einen ab September mit der VHS anbieten können“, erklärt Inge Kampmann. In einem Elternbrief, der an alle Hattinger Schulen geht, wird jetzt auf die Idee aufmerksam gemacht, damit alle Mütter die Möglichkeit bekommen, die Erfahrung mit ihren Kindern zu teilen.

Denn wenn sie das Schwimmbad für sich haben, haben die Frauen mindestens so viel Spaß wie die Kinder: „Aber man muss erst einmal warm werden. Ich komme immer noch mit dem Kopf unter Wasser“, sagt Meral Uçuran (42) schmunzelnd. Da glänzen auch ihre Töchter schon einmal mit Schwimmkenntnissen: „Mama, du musst das mit dem Arm anders machen.“