Schreiben für die Steinzeit

Michel (11) malte Bilder, Florian (10) und Niklas (11) entwickelten Memory-Spiele, Ben (12) ein Quiz.
Michel (11) malte Bilder, Florian (10) und Niklas (11) entwickelten Memory-Spiele, Ben (12) ein Quiz.
Foto: WAZ FotoPool
Ausstellung: Kinder mit Lese-/Rechtschreibschwäche basteln Memory und Quiz

Hattingen..  Wenn die Jungs lesen, wie die Steinzeitmenschen früher auf die Jagd gingen, dann vergessen sie, dass sie sonst eigentlich gar nicht so gerne ein Buch aufschlagen. Für die Sonderausstellung „Zwischen Fund und Dichtung“ des Heimatvereins haben vier Jungen, die eine Lese- und Rechtschreibschwäche haben, Plakate gestaltet, Memory-Karten gebastelt oder sich ein Quiz ausgedacht. Ihre kreativen Arbeiten sind nun während der Sommerferien in einer Vitrine im Bügeleisenhaus ausgestellt.

„Die Steinzeitmenschen haben Speere nach Mammuts geworfen. Sie haben auch Löcher gegraben, sie mit Blättern und Ästen bedeckt und gewartet bis kleinere Beutetiere hineinfallen“, weiß Michel (11). Er zeigt auf das Plakat, auf das er geschrieben hat: „Das Werkzeug besteht aus Knochen.“ Dazu hat er auch einen Säbel gezeichnet. „Ich wusste vorher nicht, wie die Menschen in der Steinzeit gelebt haben. Es hat Spaß gemacht“, sagt er.

Dagmar Gdanitz (47) übt mit den Jungen das Lesen und Schreiben. Sie ist die Leiterin vom Dudeninstitut für Lerntherapie (am Obermarkt 4). „Die Kinder, die eine Lerntherapie im Bereich Rechtschreibung machen, schreiben und lesen ungerne, einigen macht sogar das Malen oder Basteln keinen Spaß“, erklärt sie.

„Indem sie sich aber mit dem Thema Steinzeit begeistert auseinandergesetzt haben, konnten sie dazu motiviert werden. Sie haben sich in Heften, Büchern und im Internet informiert, recherchiert und dann dazu selbst kleine Geschichten geschrieben, das Gelernte kreativ umgesetzt“, so Dagmar Gdanitz. „Die Jungs haben gelesen und geschrieben ohne dass sie bewusst merken, dass sie lernen müssen. Diktate schreiben bringt wenig“, sagt die Leiterin des Dudeninstituts. „Den Kindern soll es nämlich Spaß machen.“

Aus mehreren Büchern hat Florian Wissenswertes über die Steinzeit herausgesucht und dann ein Memory gebastelt. „Es gibt Karten mit Fragen und solche mit Antworten, die richtigen Paare müssen gefunden werden“, erklärt er. Und liest eine Frage vor: „Was war das wichtigste Werkzeug in der Steinzeit?“ Die Antwort hat der Zehnjährige natürlich auch parat: „Der Faustkeil.“

Der zwölfjährige Ben hat auch ein Quiz gemacht, allerdings in Form eines Heftes zum Umblättern. Eine Aufgabe lautet bei ihm: „Aus hundert Kilogramm Rentier konnte viel verwendet werden. Was wurde daraus gemacht?“ Ben zeigt auf das Schaubild in seinem Heft und erklärt: „50 bis 70 Kilogramm von dem Rentier konnte für die Nahrung verwendet werden. Aus dem Fett haben sie Brennstoff gemacht, aus dem Fell Kleidung, Zelte, Decken und Beutel. Für Waffen und Werkzeuge haben sie das Geweih und die Knochen gebraucht und die Sehnen haben sie als Fäden und Schnüre verwendet.“ Obwohl Ben die Steinzeit interessiert – leben möchte er so nicht. „Die mussten jeden Tag lange Strecken laufen, um zu jagen und im Winter mussten sie frieren, wenn sie kein Feuer angezündet bekommen haben.“ Da fällt ihm noch ein richtig guter Grund ein: „Es gab keine Elektronik. Sie konnten nicht ins Internet gehen oder die Mama anrufen, wenn sie einen abholen soll.“ Er lacht.

Auch Niklas (11) lebt lieber in der heutigen Zeit. „Die Menschen haben damals nicht in Häusern gewohnt, sondern mussten immer draußen in der freien Natur schlafen. Das kann ich mir kaum vorstellen.“ Er hat ein Quartett gebastelt, für das er sich mit verschiedenen Themen der Steinzeit beschäftigt hat. „Zum Beispiel, was sie für Schmuck hatten: Muschelketten oder Haarnadeln aus kleinen Knochen. Als Spielzeug haben sie Steinhaufen gehabt.“

 
 

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