Schnuppern für Kaffeekenner

Werner Rosenfeld probiert.
Werner Rosenfeld probiert.
Foto: Manfred Sander
  • Zunächst lernten die Teilnehmer verschiedene Geshmacksempfindungen von Säure kennen – von mild bis herb
  • Auch zu erschnuppern gab es etliches, Honig etwa oder auch Butter und Zitrone
  • Im Laufe des Abends wurden die Riecher dann immer sensibler, die Wahrnehmung der Teilnehmer differenzierter

Hattingen..  Wer bis jetzt gedacht hat, schlürfen deute auf schlechte Erziehung hin, der wurde beim „Cupping“-Abend mit Olaf Scherff eines Besseren belehrt. „Schlürfen Sie, schmecken Sie, riechen Sie“, forderte der Hattinger, Inhaber der Mayola Kaffee-Rösterei, die Teilnehmer auf. Beim Seminar für Kaffeekenner und solche, die es werden wollten, ging es in der Henrichshütte um das richtige Genießen.

Kaffee einfach in sich hineinschütten war gestern. Schmecken, riechen bevor man das in Deutschland so beliebte schwarze Getränk zu sich nimmt, heißt ab jetzt die neu erworbene Kunst. Wie viele Unterschiede im Geruch und Geschmack der Mensch wahrnehmen kann, lernten die zehn Teilnehmer an dem Abend ganz neu.

Ein Kaffee stinkt nach Straßenbelag

Bevor der Kaffeekenner seine Gäste in die Geheimnisse des Kaffeekochens und des richtigen Herausfindens der Sorten einweihte, führte der 39-Jährige sie an mögliche Geschmacksempfindungen von Säure heran: mild, weich, leicht, herb, sauer, prickelnd, trocken, spitz, scharf, unausgewogen. Wahrlich eine Wissenschaft für sich.

Die Teilnehmer durften und sollten ihre Nasen ins Geschehen halten. Dazu gab es Tests, ob man Gerüche erkennt. An kleinen nummerierten Fläschchen sollte man riechen und dann überprüfen, ob man den Geruch erkannt hatte. Zum Beispiel Butter, Zitrone, Honig und mehr. Auf einem Zettel stand die „Lösung“. Honig zu erschnuppern, fiel zum Beispiel den meisten richtig schwer.

Zum Nasen einstimmen gab es auf kleinen Tellern außerdem noch Weintrauben, Limetten, Zitronen, Orangen und Erdnüsse. Ein Schnupperkursus der besonderen Art. „Der Kopf ist wie eine Datenbank“, sagt Olaf Scherff. „Wenn man riecht, muss das Gehirn herausfinden, wo ist der Geruch abgelegt?“ Dann konnten die Schnüffler an unterschiedlichen Kaffeemehl-Sorten riechen. „Dieser hier stinkt nach Straßenbelag“, stellte ein Teilnehmer fest.

Tatsächlich wurden die Riechorgane im Laufe des Abends immer sensibler, die Wahrnehmung differenzierter. Viele Informationen über Anbau, Röstung, Herstellung von Kaffee reichte Olaf Scherff in lockerer und amüsanter Weise an die Gäste weiter. Werner Rosenfeld, Kaffeekenner wie seine Frau, genoss sichtbar das „Cupping“. „Wir kaufen immer sehr teuren Kaffee. Und jetzt sagt Herr Scherff, wir haben eine falsche Maschine, das ist ja blöd“, stellt er fest, ließ sich aber nicht abschrecken und nahm es mit Humor.

Auch ein Kaffee hat Körper

Zum Schluss ging’s in punkto Geruchswahrnehmung ans Eingemachte. Die Besucher mussten bei drei – den Teilnehmern unbekannten – Kaffeesorten herausfinden: Wie riecht der Kaffee? Sind Süße und Säure ausgewogen, hat der Kaffee Körper, sind Geschmacksfehler enthalten? Sie bekamen Zettel und mussten schriftlich Beurteilungen abgeben.

Zwei handelsübliche Kaffeesorten fielen glatt durch, es gewann der sehr langsam geröstete Mayola-Kaffee aus Hattingen. Das Geheimnis lüftete Olaf Scherff allerdings erst, nachdem die Teilnehmer ihre Beurteilung abgegeben hatten.

 
 

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