Schlepper für die ganze Welt

Hattingen..  Über die Stationen Nordhausen, Zorge und Sprockhövel kam die Normag nach Hattingen. Hier erlebte die Firma in den frühen 50er Jahren ihre Blüte.

Zeitweilig war sie der größte Arbeitgeber Hattingens nach der Henrichshütte. Und obwohl, vielleicht aber auch gerade weil sie nur etwa zehn Jahre in der Stadt produzierte, haben ihre Produkte in der Region Kultstatus erlangt. Die Rede ist natürlich von der Firma Normag, deren Ackerschleppern damals schon ein legendärer Ruf voraus eilte.

Die Wurzeln der Firma liegen im thüringischen Nordhausen. Sie reichen zurück ins Jahr 1934. Elf Jahre später liegt Nordhausen nicht mehr in Mitteldeutschland, sondern an der Westgrenze der sowjetischen Besatzungszone. Die Zukunft der Firma sehen die Firmenchefs in Westdeutschland. Betriebsleiter August von Scheven macht sich auf die Suche nach einem neuen Standort. Zunächst wird die niedersächsische Kleinstadt Zorge auserkoren. Aber von Scheven drängt weiter Richtung Westen: ins Ruhrgebiet, nach Sprockhövel, seine Heimatstadt. Dort läuft die Produktion unter abenteuerlichen Umständen wieder an.

Holger Richard Figge, Normag-Traktoren-Sammler aus Sprockhövel, klärt auf: „Die ersten Schlepper wurden in der Gaststätte Voss am Westen auf der Kegelbahn montiert. Bis 1949.“ Ein Provisorium. Wenige Kilometer weiter finden sich vergleichsweise paradiesische Zustände. Auf dem Gelände der ehemaligen Nietenfabrik an der Bruchstraße bezieht die Normag ihr endgültiges Zuhause. Ein beispielloser Aufstieg beginnt: Arbeiten 1948 noch 300 Menschen für Normag, sind es 1950 schon 720. Im Oktober ‘51 wächst sie auf mehr als 1000 an. Einer von ihnen ist Kurt Wehefritz. Der inzwischen 85-jährige Bredenscheider war als Werbeleiter für Normag tätig. Und das bis zum endgültigen Aus der Firma, für das er auch die Gründe kennt: „Wir waren damals sehr stark vom Export abhängig. In einem Fall hatten wir schon 200 Traktoren für ein Land produziert. Dort kam es dann aber zu einer Revolution, wir blieben auf den Dingern sitzen. Schuld am Niedergang war also keine Misswirtschaft.“

Hinzu kommt die Konkurrenz im Inland: Fast 40 deutsche Traktorenhersteller versuchten sich zu behaupten, viele teilten ihr Schicksal mit der Normag. Hinter diesem Namen verbirgt sich übrigens die ursprüngliche Heimat: Nordhäuser Maschinenbau GmbH.

Das letzte Stündlein der Firma, die seit Januar 1957 zu O&K gehörte, schlug am 1. August des Jahres. „An diesem Tag wurde das Ende offiziell besiegelt.

Die Zahl der in Hattingen produzierten Traktoren schwankt: zwischen 36 800 und 37 600. Viele haben überlebt. Sie sind in Sammlerhände übergegangen, werden gehegt und gepflegt. 25 sind allein in Besitz von Holger Richard Figge. Der Sprockhöveler sammelt sie seit 30 Jahren und erzählt: „Auf einem Normag-Schlepper habe ich fahren gelernt“.

 
 

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