Scheren verboten und Schreibtisch als Barriere

Im Amtsgericht Hattingen muss jeder Besucher eine elektronische Schleuse passieren. In Amtsstuben lehnt die Stadt das ab.
Im Amtsgericht Hattingen muss jeder Besucher eine elektronische Schleuse passieren. In Amtsstuben lehnt die Stadt das ab.
Foto: Fischer / Funke Foto Services
Die Stadt Hattingen trifft durch Möblierung Sicherheitsvorkehrungen, lehnt Schleusen in Amtsstuben aber ebenso ab wie Kreis, Jobcenter und Finanzamt. Deeskalationtraining, Notrufsysteme und offene Türen sollen helfen.

Hattingen..  Wer das Amtsgericht betreten möchte, muss durch die Sicherheitsschleuse und wird, wie im Flughafen, auf Waffen und andere gefährliche Gegenstände kontrolliert. In Rathaus, Jobcenter oder Finanzamt ist eine Schleuse nicht vorgesehen. Der Beamtenbund hatte sie auch für Ämter ins Gespräch gebracht. Es werden allerdings überall Sicherheitsvorkehrungen getroffen.

Die Stadt setzt darauf ebenso wie die Kreisverwaltung. Schleusen, so Kreis-Pressesprecher Ingo Niemann, würden Warteschlangen verursachen und zu Konflikten führen. Wo erfahrungsgemäß Konflikte auftreten können, etwa in Ausländeramt oder Jobcenter, setzt die Verwaltung auf Alarmsysteme, Deeskalationstraining, offene Türen. Darauf baut auch die Stadt. Sie sorgt dafür, dass im Büro nichts steht, was zur Waffe werden kann – wie Scheren oder ein schwerer Locher – und platziert den Schreibtisch zwischen Publikum und Sachbearbeiter.

„Sicherheitsschleusen sind nicht vorgesehen“, sagt Susanne Wegemann aus dem Pressebüro der Stadt. Aber es würden Vorkehrungen getroffen „in Fachbereichen in denen Konfliktpotenzial besteht. Zum Beispiel Alarmknöpfe an den Schreibtischen, Klingeln an den Eingangstüren, Terminvergaben um zu vermeiden, dass sich die schlechte Stimmung einzelner Kunden auf eine Gruppe überträgt.“

Spezielle Möblierungspläne

Die Mitarbeiter hätten „an Deeskalationstrainings teilgenommen und sind im Umgang mit schwierigem Publikum geschult“, versichert Wegemann. „Im Fachbereich Soziales und Wohnen wurden Arbeitsplätze im vergangenen Jahr von einem Team aus Mitarbeitern der Polizei, Fachkräften für Arbeitssicherheit, Personalrat und Haustechnik begutachtet. Es gibt jetzt spezielle Möblierungspläne, die unter anderem vorschreiben, dass die Schreibtische zwischen Publikum und Sachbearbeiter stehen sollen.“ Nach und nach würden weitere Büros untersucht. Unter anderem im Fachbereich Ordnung und Jugend. Übergriffe seien eher verbaler Natur, heißt es aus Rathaus und Kreisverwaltung.

Auch der Polizei sind „schwerwiegende Vorfälle nicht bekannt, so Pressesprecher Dietmar Trust. Im Finanzamt hatte im März 2013 ein Velberter mit einem Schlagstock auf einen Beamten eingeschlagen. „Ein absoluter Einzelfall“, sagt Geschäftsstellenleiterin Jana Gubbe. Weder vorher noch nachher habe es ähnliche Fälle gegeben. Danach seien aber ein „von außen nicht sichtbares“ Notrufsystem und eine Alarmierung von Kollegen untereinander eingerichtet worden. Eine Schleuse komme schon aus baulichen Gründen nicht in Betracht. Sie würde aber auch „kein schönes Bild nach außen vermitteln“.

EURE FAVORITEN