Sanfte Restaurierung statt Flächensanierung

Foto: FUNKE Foto Services
  • Fachwerk als Ausstellungs-Thema im Bügeleisenhaus
  • 143 denkmalgeschützte Gebäude in der Altstadt und 52 in Blankenstein
  • Häuser, Balken, Fotos, Baubeschreibungen und Lehmwand zu sehen

Hattingen..  Sollten Sie irgendwann den Bürgermeister nicht mehr erspähen, dann ist wohl sein Wunsch als Schirmherr der Ausstellung „Fachwerk 1611“ in Erfüllung gegangen. Hegte Dirk Glaser doch bei der Vorstellung der Jahresausstellung des Heimatvereins im Bügeleisenhaus angesichts des Stadtmodells von Johann Wittmers im Maßstab 1:100 die Hoffnung, wie in einschlägigen Filmen geschrumpft zu werden, um durch die vielen kleinen Häuser und Gassen auf dem Vier-Quadratmeter-Modell spazieren zu können.

Mehr als 120 Häuser hat der 65-jährige Wittmers schon gebaut seit 2013. Insgesamt 143 denkmalgeschützte Fachwerkgebäude stehen in der Altstadt. In Blankenstein kommen weitere 52 Fachwerk-Denkmäler hinzu. Um sie dreht sich alles bei der Ausstellung ab Samstag, 23. April, wenn es um Bauen, Leben, Schützen geht. Um das, was im Lauf der Jahre verschwunden ist. Und das, was noch steht, restauriert wurde und die Anziehungskraft der Altstadt ausmacht.

Im Mittelpunkt der Sonderausstellung von 23. April bis 4. Dezember steht das Haus am Haldenplatz 1, in dem das Museum untergebracht ist. „Unsere Gäste werden über fundierte Fakten zur Fachwerksanierung staunen, die historischen Hausbalken längst abgerissener Altstadtgebäude bewundern, sich für das Modell der Hattinger Altstadt, wie sie in den 1960er Jahren aussah, begeistern und sich über vier detailreiche Modelle des Bügeleisenhauses in den Jahren 1611, 1700, 1947 und 1980 freuen“, sagt der Heimatverein-Vorsitzende Lars Friedrich.

Das Projekt wird von Stadtmuseum, Stadtarchiv, privaten Leihgebern, Sparkasse, Kulturbüro und AVU unterstützt.

Wie alte Fachwerkhäuser richtig restauriert werden, erfahren Besucher von Uwe Schlauch, der das Anneke-Haus in Blankenstein saniert hat. Wie das geht mit Lehm und ursprünglichen Baustoffen, können die Besucher nicht nur anhand von Fotos und Baubeschreibungen nachvollziehen. Sie sehen es auch an einer Wand, die der Inhaber der Holz- und Lehmbau GmbH im Museum hochgezogen hat. Die Besitzer hatten sich in das Anneke-Haus verliebt – und es fachgerecht sanieren lassen. Acht Schichten Tapeten machten den Geschmack der jeweiligen Zeit deutlich. „Lehmbau macht Spaß“, versichert Schlauch.

Spaß machen soll auch die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Hauses. Mit dem Teil der Altstadt, die in den späten 1960er Jahren im Rahmen der Flächensanierung verschwunden ist. Spaß haben sollen die Grundschüler, die Bilder von der Altstadt malen. Sie alle sollen sich dem Museum, der Altstadt und ihrer Geschichte annähern.

 
 

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