Radler missachten Fußgängerzone

Sabine Kruse
Die Zahl der Radfahrer, die gegen das Fahrverbot in der Fußgängerzone verstoßen (wie auf diesem gestellten Foto), nimmt kontinuierlich zu. Bei der Stadt sind zuletzt vermehrt Beschwerden eingegangen. Foto:Volker Speckenwirth
Die Zahl der Radfahrer, die gegen das Fahrverbot in der Fußgängerzone verstoßen (wie auf diesem gestellten Foto), nimmt kontinuierlich zu. Bei der Stadt sind zuletzt vermehrt Beschwerden eingegangen. Foto:Volker Speckenwirth
Foto: Funke Foto Services
  • Vermehrt Beschwerden über Belästigungen durch fahrende Radfahrer
  • Aber: Keine meldepflichtigen Verkehrsunfälle mit Rad- und Pedelec-Fahrern
  • EXperte rät, die Innenstadt weiter für den Radverkehr zu öffnen

Hattingen.  Immer mehr Radfahrer verstoßen gegen das Fahrverbot in der Fußgängerzone. Entsprechende Beobachtungen der WAZ bestätige Thomas Griesohn-Pflieger auf Anfrage. An die Mitarbeiter der Verwaltung seien in jüngster Zeit vermehrt Beschwerden über Belästigungen durch fahrende Radfahrer, insbesondere auf der Heggerstraße, herangetragen worden. Konkrete Zahlen nannte der Stadtsprecher allerdings nicht.

„Vernünftige fahren hier kein Rad, allen anderen ist es verboten“: Mit diesem Spruch auf Schildern habe die Stadt Einheimische wie Auswärtige jahrelang auf das Radfahrverbot in der Altstadt aufmerksam gemacht, so Griesohn-Pflieger – „leider ohne durchschlagenden Erfolg. Inzwischen haben wir die Schilder wieder entfernt.“

Das Radfahrverbot in der Fußgängerzone allerdings gilt weiterhin – mit Ausnahme der Augustastraße im Bereich der Heggerstraße: Dieses Teilstück wurde im Jahre 2014 für den Fahrradverkehr freigegeben – auf Anregung der Initiative Pro Rad und nachdem Stadt und Polizei dort zuvor während einer probeweisen Öffnung keinerlei Konflikte oder gar Unfälle zwischen Menschen auf zwei Rädern und zwei Beinen verzeichnet hatten.

Daran hat sich offenbar wenig geändert. „Auch in diesem Jahr hat es im Bereich der Hattinger Fußgängerzone noch keine meldepflichtigen Verkehrsunfälle mit Rad- und Pedelec-Fahrern gegeben“, erklärt Dietmar Trust, Sprecher der Polizei im Ennepe-Ruhr-Kreis. Und so sehe die Polizeibehörde in punkto radfahrende Radfahrer in der Hattinger Innenstadt zurzeit „keinen Handlungsbedarf“. Denn obwohl auch die Polizei von „etwas mehr“ Fahrverbots-Missachtungen (genaue Zahlen gebe es nicht) spricht: „Die Ausmaße der Verstöße“, so Trust, „sind nicht so schwerwiegend wie oft dargestellt.“

Polizei hat drei Gruppen im Blick

Ähnlich bewertet Robert Dedden, Mitglied der Initiative Pro Rad und Sprecher des ADFC, die Lage. Es gebe immer wieder einzelne Fußgänger, die sich von Radfahrern belästigt oder gar bedroht fühlten, betont er. Doch einen tatsächlichen Zusammenstoß der beiden Parteien habe er, der nahezu täglich in der Innenstadt unterwegs sei, „noch nie beobachtet“. Dedden regt sogar an, die Innenstadt weiter für den Radverkehr zu öffnen – insbesondere die obere Heggerstraße böte sich hierfür an, findet er. Zumindest außerhalb der Geschäftszeiten.

Polizeisprecher Dietmar Trust nannte gegenüber der WAZ derweil drei Gruppen, die das Radfahrverbot missachteten. Erstens: Radtouristen, die sich meist in Gruppen vormittags und abends auf der Großen Weilstraße und den Plätzen der Altstadt bewegten „und sich oft über die eindeutige Beschilderung hinwegsetzen“. Zweitens: Flüchtlinge, die noch nicht umfassend mit den Verkehrsregeln betraut seien (für sie soll es in den nächsten Tagen aber eine Radfahrschulung geben, bei der sie auch auf das Radfahrverbot in der Altstadt hingewiesen werden). Und drittens: Einzelpersonen, die die Heggerstraße meist morgens als Weg zur Schule oder zur Arbeit nutzen. Diese Radler, so Trust, „unternehmen übrigens die gefährlichsten Fahrten“.