Radfahrer kritisieren Wege und Beschilderung

Bastian Haumann
Foto: WAZ FotoPool
  • Radler diskutieren mit Vertretern der Stadtverwaltung
  • Problemstellen sehen sie am Bahnhof, am Reschop Carré und in der Altstadt
  • Einbahnstraßen sollten geöffnet werden

Hattingen.  Beim Fahrradfrühling kam die Sicherheit für Radfahrer auf den Prüfstand. Eine kleine Gruppe – bestehend aus Verwaltungs- sowie ADFC-Mitgliedern und Bürgern – machte den Selbstversuch und fuhr eine Testroute ab. Die Manöverkritik folgte im Anschluss im Alten Rathaus. Dabei drehte sich alles um die Frage: Wie gut ist die Altstadt vom Ruhrtal-Radweg und den anliegenden Ortsteilen aus erreichbar? Nicht besonders gut, wie Robert Dedden, ADFC-Mitglied, aufzeigte. Er hatte die Route geplant und markante Punkte in den Fokus gerückt: Schlechte Beschilderung am Bahnhof, abrupt endende Radwege an der Martin-Luther-Straße, fehlende Stellplätze am Alten Rathaus.

Helmut Hollmann vom Fachbereich Stadtverkehr machte sich bei dem Ausflug etwas bewusst: „Es ist ein Unterschied, ob man den Radverkehr vom Schreibtisch aus plant oder ihn direkt erlebt“, sagte er. Für ihn schien es kein angenehmes Erlebnis gewesen zu sein. „Es ist laut an den Straßen, manche Strecken sind unattraktiv und es gibt kein faires Miteinander.“

Hollmann trat mit weiteren Verwaltungsmitgliedern in die Pedale: Mit Baudezernent Jens Hendrix und Bürgermeister Dirk Glaser.

„Aber das Umdenken beim Radverkehr hat doch schon begonnen“, sagte Glaser. Bei den Radfahrern, die sich an der Podiumsdiskussion beteiligten, gab es daraufhin leises Gemurmel – kein zustimmendes.

„Gerade beim Reschop-Carré, das ja recht neu ist, hätte mehr auf die Radfahrer geachtet werden müssen“, sagte Kristine Borgmeier. Die Beschilderung sei dort missverständlich. So sei von einer Seite die Durchfahrt verboten, von der anderen Seite ein Stück weit erlaubt.

Michael Beckmann, vor kurzem noch im niederländischen Domburg, geriet regelrecht ins Schwärmen, als er von der Verkehrsführung der dortigen Einbahnstraßen berichtete. „Für den Radverkehr waren sie für beide Fahrtrichtungen geöffnet, warum ist das nicht auch in Hattingen möglich?“

Und Helmut Goecker wünschte sich die Freigabe der Heggerstraße für Radfahrer. „Das haben auch größere Städte wie Erfurt und Lübeck bei ihren Fußgängerzonen hinbekommen.“ Das sei jedoch nicht unkritisch, gab Baudezernent Hendrix zu bedenken. „Die Radfahrer würden dort runter rauschen.“ Sobald Baumaßnahmen anstehen, versuche die Verwaltung, auch die Radfahrer mit einzubeziehen. „Aber das ist immer eine Abwägungssache.“

Und Glaser, der Alltags- und touristischen Radverkehr nicht trennen will, will politisch werben. „Gerade Radtourismus ist ein wirtschaftlicher Aspekt, und Geld ist immer ein gutes Argument.“ Damit müsse man die Entscheidungsträger, die Politiker, für sich gewinnen.