Plattendreher und Torwarttrainer

Orhan Terzi (47) alias DJ Quicksilver. Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool
Orhan Terzi (47) alias DJ Quicksilver. Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool
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Orhan Terzi war in den 1990er Jahren der meist gebuchte Discjockey der Welt – heute erinnert er sich an eine rasante Zeit.

Hattingen..  Mit DJ Quicksilver zurück in die 1990er Jahre: „Eine Zeit voller Gänsehaut und Gefühlswallungen, als der Funke zwischen DJ und Publikum noch übersprang, die Begeisterung der Leute zu spüren war.“ 1997 und 1998 war Orhan Terzi der meist gebuchte Discjockey der Welt, er hatte damals 550 Auftritte. Seine Single „Belissima/I Have A Dream“ verkaufte sich 500 000 Mal in England, dafür gab es 1997 Gold. Heute ist er als Torwarttrainer beim Fußball-Bezirksligisten Hedefspor bekannt.

In der Hochzeit stand Orhan Terzi das Tor zur Welt offen, er flog von Auftritt zu Auftritt. „Da brannte der Baum.“ Seine Leistung nennt der Hattinger heute „Pionierarbeit“. „Das waren die Anfänge von Techno und elektronischer Musik. Wir haben sie der breiten Masse zugänglich gemacht, haben den großen Stars von heute, etwa David Guetta, quasi den roten Teppich des Erfolgs ausgerollt.“

Alles begann mit der Entscheidung, 1991 in Bochum einen Plattenladen für elektronische Musik aufzumachen. „Für Rock und Metal gab es viele, aber für elektronische Musik war das eine Marktlücke“, erzählt er. „Damals fuhr ich nach Berlin und Amsterdam, um Platten zu kaufen.“ Die Musik von Pink Floyd und Kraftwerk inspirierten ihn. Mit der Eröffnung des Ladens, lernte er zahlreiche DJs und Produzenten kennen. Aus Spaß entstand die Single „Bingo Bongo“. Und ging kurze Zeit später „durch die Decke“. Terzi: „Doch alle dachten, es wäre nur eine Eintagsfliege.“ Den „Ritterschlag der DJs“ erhielt er 1996, mit dem Remix zu Faithless’ „Insomnia“. Nach der Veröffentlichung von „Belissima/ I Have A Dream“ sprachen alle von DJ Quicksilver. Die Gold-Verleihung in Düsseldorf war eine große Veranstaltung – in England sah das anders aus: „Der Manager spielte ein paar Sounds vor, dann sagte er: Ach, da drüben steht übrigens die Goldene Schallplatte für dich.“

Im Jahr 2001 schloss Terzi sein Plattengeschäft. Inzwischen werde zu viel aus dem Internet heruntergeladen.

Doch auch Quicksilver passt sich an. Mit dem Hattinger Sänger Anell macht er Musik. Videos des Projekts Quick-Jaxx sind im Internet zu sehen. Als DJ ist Orhan Terzi auch noch unterwegs, fliegt für Auftritte nach Neuseeland, Indien oder in die Schweiz. Aber: „Jeder macht heute Musik am PC, früher konnten sich nur we­nige ein Mischpult leisten.“ Es drehe sich nur ums Tagesgeschäft. Und: „Leute gehen wegen großer Namen zu Konzerten, nicht wegen der Musik und Atmosphäre.“

Viermal in der Woche steht Terzi als Torwarttrainer des Fußballvereins Hedefspor auf dem Platz. Außerdem genießt er die Zeit mit seiner Familie. „Es ist schön zu sehen, wie meine beiden Jungs groß werden.“ Seinen Söhnen – neun und 15 Jahre alt – hilft er bei Hausaufgaben, fährt sie zur Schule. Und holt Brötchen für das Frühstück mit seiner Frau.

 

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