OP-Kosten für ein wildes Tier

Foto: WAZ FotoPool
Tierfreundin Dorothea Keuter rettete einem freilebenden Kater das Leben. Das Geld für die Operation soll sie selbst zahlen

Hattingen.. Der geheimnisvolle schwarze Kater taucht seit sieben Jahren immer wieder bei Dorothea Keuter (38) auf. Sie vermutet, dass er wild ist, dass er keinem Besitzer gehört. Sie füttert ihn, doch er ist zu scheu, um sich anfassen zu lassen. Bisher war das nicht schlimm – doch vor kurzem musste sie erschreckend feststellen: Der Kater ist schwer verletzt. „Sein linkes Hinterbein hing krumm unter dem Bauch, er konnte nicht auftreten. Ich sah eine offene Wunde am Bein. Er schien große Schmerzen zu haben“, sagt Dorothea Keuter. Bevor sie ihm helfen konnte, war er schon wieder weg. So schnell wie er gekommen war, war er wieder verschwunden – wohin, das weiß Dorothea Keuter nicht.

In ihrer Freizeit kümmert sich die Niederwenigerin um wildlebende Tiere, um Igel, Vögel oder Katzen. Sie füttert sie, hilft ihnen, wenn sie verletzt sind oder entwurmt sie. „Das treibt mich am Monatsende oftmals an mein finanzielles Limit“, muss sie sich eingestehen; sie ist Gutachterin im Medizinischem Dienst. Doch als sie den verletzten schwarzen Kater sah, war für sie sofort klar: Er braucht ihre Hilfe.

„Ich habe mir eine Lebendfalle ausgeliehen und konnte ihn damit nach einigen Tagen endlich einfangen. Ich habe den Kater dann schnellstens zum Tierarzt gebracht. Er machte ein Röntgenbild von ihm und es stellte sich heraus, dass er eine offene Schienbein-Fraktur hatte. Er musste sogleich operiert werden. Sonst wäre der Kater elendig an einer Blutvergiftung gestorben.“ Der Kater wurde nach einem Chip kontrolliert, mit dem Tiere registriert werden können. „Doch es konnte keiner gefunden werden.“

Also soll Dorothea Keuter die Rechnung für die Operation selbst bezahlen. „Hinzu kommt der Aufenthalt in der Praxis. Außerdem wurde der Kater auch kastriert; insgesamt kommt ein Wert von 1400 Euro zusammen. Der Tierarzt hatte Verständnis und hat es wohlwollend berechnet.“

Dorothea Keuter wendete sich an verschiedene Ämter und Institutionen mit der Bitte um eine Kostenbeteiligung, versuchte Spenden zu sammeln. „Wenn jeder von den Ämtern und Institutionen 100 Euro spenden würde, kann der Betrag bezahlt werden. Doch die meisten sehen sich nicht dafür verantwortlich. Die Rechtslage bei Fundtieren ist nicht geregelt, keiner will zahlen“, klagt Dorothea Keuter. „Zumindest das Tierheim Bochum und der Katzenschutzbund Hattingen spendeten jeweils 100 Euro. Außerdem spendete Bürgermeisterin Dr. Dagmar Goch privat 100 Euro.“

Dorothea Keuter hätte den eingefangenen Kater ins Tierheim Bochum bringen können. „Aber dort hätte er nicht vermittelt werden können. Obwohl er mich seit sieben Jahren kennt, faucht er mich an. Er ist ein wilder Freigänger und sollte nicht eingesperrt werden.“ Als sie ihn vom Tierarzt in einer Kiste abholte und sie in den Garten stellte, hat er den Draht verbogen und ist abgehauen. Doch Dorothea Keuter sieht ihn jeden Abend, wenn es dunkel wird, dann füttert sie ihn. „Ich habe ihm noch Antibiotikum gegeben. Seit einigen Tagen belastet er sein operiertes Bein wieder, es scheint ihm gut zu gehen.“ Und Dorothea Keuter würde alles wieder genauso machen.

 

EURE FAVORITEN