Obst und Laub zur Erinnerung

Obst verschenkt Isa Marie Börner, während David Krilgen und Paul Bormann bauen.Foto:STEFAN AREND
Obst verschenkt Isa Marie Börner, während David Krilgen und Paul Bormann bauen.Foto:STEFAN AREND
Foto: WAZ
Schüler der Realschule Grünstraße errichteten am vergangenen Wochenende eine Laubhütte vor dem Bügeleisenhaus. Sie verteilten Obst an Passanten, informierten so über das jüdische Laubhüttenfest

Hattingen..  Am 4. September begann bei Sonnenuntergang das jüdische Neujahrsfest. Die jüdische Gemeinde begrüßte vom ersten auf den zweiten Tischri, so der Monatsname im jüdischen Kalender, das Jahr 5774. Das Fest Rosch ha-Schana war der Auftakt einer ganzen Feiertagskette, die erst am 27. September mit dem Fest der Gesetzesfreude endet. Gemeinsam mit Schülern der Realschule Grünstraße will Religionslehrerin Judith Nockemann auf diese Feste aufmerksam machen.

„Wir spielen die Feste nicht nach, sondern erinnern an sie“, betont die Pädagogin. Am Wochenende stand das jüdische Laubhüttenfest im Vordergrund. „Das Fest erinnert an den Auszug aus Ägypten und daran, wie die Menschen vor tausenden von Jahren gelebt haben“, erklärt Nockemann.

Mit Schülern der 7. Klasse errichtete sie vor dem Bügeleisenhaus aus Stoffen, Holzbalken und Zweigen eine Laubhütte. „Die Wände einer Sukka - so heißt die Hütte - dürfen aus jedem Material sein. Zum Beispiel aus Holz, Planen oder Decken. Das Dach der Sukka soll aus Laub oder anderen Pflanzenteilen sein. Und es darf nicht ganz dicht sein. So kann man noch ein bisschen durchspähen und den Sternenhimmel sehen“, weiß Davin (12). „Wir hängen Pappobst in die Zweige, auf dem geschrieben steht, wofür die Passanten dankbar sind“, erklärt sein gleichaltriger Mitschüler Paul.

„Denn das Laubhüttenfest ist ein Vorläufer des Erntedankfestes, das wir heute feiern“, pflichtet Lisa-Marie (12) ihm bei. „Deshalb verteilen wir auch Pflaumen, Weintrauben und Äpfel an alle, die stehen bleiben und sich fragen, was wir hier machen.“ Judith Nockemann findet+: „Es ist interessant zu sehen, wie ältere Menschen mit den Schülern ins Gespräch kommen, wenn es darum geht, wer für was dankbar ist.“

Als Kooperationsprojekt der Realschule Grünstraße, des Stadtarchivs und des Heimatvereins erklärt seit dem 8. September im Rahmen der Hattinger Aktionsreihe „Engel der Kulturen“ eine interaktive Sonderausstellung im Brunnenraum des Bügeleisenhauses praktiziertes jüdisches Leben. Dabei hatten sich Schüler der Religionskurse der Klassen sieben bis zehn im vergangenen Schuljahr eine Synagoge in Bochum angesehen und bei einem Stadtrundgang durch Hattingen das jüdische Leben vor dem Holocaust erforscht. „Wir möchten einen Dialog der verschiedenen Religionen und Kulturen in Hattingen schaffen“, sagt Nockemann. Insgesamt 37 Schüler haben sich viele Monate intensiv mit dem heutigen Alltag der jüdischen Menschen auseinandergesetzt. Fast alle 35 in Hattingen lebenden Juden würden die Aktion verfolgen, ausgestellte Texte würden zuvor durch jüdische Hände gehen.

 
 

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