„Nur“ eine Million Schwarzfahrer

Für Scharzfahrer, die erwischt werden, wird derzeit noch ein Bußgeld von 40 Euro fällig. Im Frühjahr steigt der Betrag auf 60 Euro. Die Verkehrsunternehmen versprechen sich davon mehr Abschreckung.
Für Scharzfahrer, die erwischt werden, wird derzeit noch ein Bußgeld von 40 Euro fällig. Im Frühjahr steigt der Betrag auf 60 Euro. Die Verkehrsunternehmen versprechen sich davon mehr Abschreckung.
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Bußgeld bald 60 Euro. Bogestra fährt gut mit Änderung der Kontroll-Strategi.

Hattingen..  Schwarzfahren lohnt sich nicht. Das ist die Botschaft, die Politik und Verkehrsunternehmen vermitteln wollen. Deshalb, so hat es der Bundesrat beschlossen, wird das so genannte „erhöhte Beförderungsentgelt“ im Frühjahr erhöht – von 40 auf 60 Euro. Bei der Bogestra begrüßt man die erste Anhebung seit zwölf Jahren. Dabei verbucht das Unternehmen mit einer anderen Strategie schon jetzt Erfolge und geringe Schwarzfahrer-Zahlen.

„Unsere Schwarzfahrer-Quote ist vergleichsweise niedrig. Sie liegt unter einem Prozent“, sagt Bogestra-Sprecherin Sandra Bruns. Bei 145 Millionen Fahrgästen im Jahr sind aber mehr als eine Million Menschen ohne Ticket unterwegs. Eine Zahl, die in der Vergangenheit schon deutlich höher lag. So habe man im Jahr 1999 Schwarzfahrer-Quoten von drei bis vier Prozent gehabt. Zwar sei damals auch die Anzahl der Fahrgäste mit 104 Millionen Menschen noch geringer gewesen, dennoch lag die Zahl der Schwarzfahrer damals mit mehr als drei Millionen deutlich über der heutigen. Die Ticketpreise, die heute höher sind als damals, seien also nicht ausschlaggebend für die Quote der Schwarzfahrer, vermutet die Sprecherin.

120 statt 30 Kontrolleure

Andere Faktoren dagegen schon. Prüften damals 30 Kontrolleure die Fahrausweise, sind es heute 120 „Kundenberater“, die Tag und Nacht im Einsatz sind. Das seien im Vergleich zu anderen Nahverkehrsunternehmen relativ viele, ordnet Sandra Bruns die Zahl ein.

Zweiter Erfolgsfaktor war die Einführung des Vordereinstiegs in Bussen „vor drei oder vier Jahren“. Danach fiel besonders – und auch für das Unternehmen überraschend – der Betrug an einer Stelle auf: „Viele Leute mit einem 9-Uhr-Ticket waren schon vorher unterwegs.“ Der Einstieg beim Fahrer brachte auch die soziale Kontrolle. „Die Hemmschwelle für Schwarzfahrer ist höher“, weiß Bruns.

Ebenfalls eine Weiterentwicklung: Die Bogestra-Mitarbeiter tragen heute „zu 99 Prozent“ Dienstkleidung. Vor Jahren waren sie in Zivil unterwegs. „Das hat mehr Ärger provoziert.“ Um heikle Situationen zu vermeiden, werden sie speziell auf Extremsituationen geschult. Neben der technischen Ausbildung gehört zur Schulung auch das Deeskalationstraining, das in Zusammenarbeit mit der Polizei durchgeführt wird.

„In erster Linie werden Bahnlinien kontrolliert“, sagt die Unternehmenssprecherin – weil es dort micht den Vordereinstieg gibt. Dafür sind die Mitarbeiter allein oder im Team im Einsatz. Es komme aber auch vor, dass ein Bus oder eine Bahn angehalten würden „und wir mit zehn Mann kontrollieren“. Erst danach geht es weiter. „Wir wollen Schwarzfahrern kein Sicherheitsgefühl geben.“ Auch beim Anstieg des erhöhten Beförderungsentgeltes hofft die Bogestra deshalb nicht auf mehr Einnahmen, sondern Abschreckung.

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