Nachdenken über Lebensträume

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Beim Projekt „Traumtage“ blicken Gesamtschüler in ihre private und berufliche Zukunft. Und sie diskutieren darüber, ob Geld glücklich macht.

Hattingen..  Die letzten Vorbereitungen für die TV-Talkshow sind in vollem Gange. In Kleingruppen erörtern Sechstklässler der Gesamtschule – pardon: Bänker, Alleinerziehende, Youtuber, Lehrer, Lebenskünstler – am Mittwochmorgen die Frage, ob Geld glücklich macht. Ein paar Räume weiter überlegen Elf- bis 13-Jährige, wie sie sich ihre berufliche und private Zukunft vorstellen. Willkommen bei den „Traumtagen“ – einer Projektreihe zum Einstieg in die Berufsvorbereitung.

Konzipiert hat die „Traumtage“ einst Lehrerin Lilo Ingenlath-Gecic, seit elf Jahren bereits werden sie an der Gesamtschule in der kompletten Jahrgangsstufe 6 durchgeführt. Doch einen Film dazu hat es bislang noch nie gegeben. 45 Minuten Länge soll er am Ende haben, sagt Jan Theurich (19), Medientrainer aus Velbert und früher selbst Schüler an der Gesamtschule. Die Mädchen und Jungen aus der 6 e werden in dem von ihm gedrehten Streifen über ihre beruflichen Vorstellungen sprechen, die aus der 6 d in der schon erwähnten Talkrunde über Geld und Glück.

Von Wünschen und der Wirklichkeit

Die 25-jährige Maya (alias Maya, 12) etwa wird vor der Kamera zu Wort kommen, arbeitssuchende, alleinerziehende Mutter einer Vierjährigen, die sagt: „Man braucht zwar Geld zum Leben, aber ich glaube nicht, dass es glücklich macht. Glücklich macht es mich eher, mit meiner Tochter zu kuscheln.“ Auch der 35-jährige Max (alias Ramaz, 12), ein Hippie, sagt: „Geld? Nein, glücklich machen mich meine Freunde.“ Derweil wird ein Bankdirektor (gespielt von Johann, 11) erklären: „Natürlich macht Geld glücklich. Wenn man’s hat, kann man sich alles kaufen, was man haben will.“

Der Talk bei den „Traumtagen“ ist dabei keineswegs nur ein Spiel. Wie bei dem gesamten Projekt, so geht es auch bei diesem im Kern um ein ernstes Anliegen: dass die Sechstklässler über die Auseinandersetzung mit Lebensmodellen und der Frage, wo sie sich selbst in 15, 20 Jahren sehen – verheiratet? mit Kind(ern)? Vollzeit arbeitend? – dafür sensibilisiert werden, was es für ein künftiges Leben nach ihren Vorstellungen überhaupt alles bedarf. Gerade auch in punkto Schulabschluss und Ausbildung.

Mit elf, zwölf, 13 Jahren dürfe man natürlich noch träumen, betont Lilo Ingenlath-Gegic. Und wie so viele der Sechstklässler hier sich die Zukunft mit eigenem Haus, einer Familie, attraktiven Berufen vorstellen. Allein: Es sei auch gut darüber nachzudenken, wie man diese Wünsche Wirklichkeit werden lassen kann. Neben Medientrainer Jan Theurich (der als Sechstklässler übrigens noch „ein erfolgreicher Videospieler“ werden wollte) werden die Schüler auf diesem Weg bei den „Traumtagen“ auch durch ihre (Klassen)-Lehrer, zwei Schulsozialarbeiter und eine Bankkauffrau begleitet.

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