MS Ruhrstahl fährt auf dem Rhein

Ganz rostig war die MS Ruhrstahl, als der Verein „Piwipper Böötchen“ sie entdeckte.
Ganz rostig war die MS Ruhrstahl, als der Verein „Piwipper Böötchen“ sie entdeckte.
Foto: HeinerMüller-Krumbhaar
Aus dem „schwimmenden Werkstor“ von einst wurde das „Piwipper Böötchen“, das eine traditionelle Fährverbindung auf dem Rhein wieder aufleben lässt

Hattingen..  Bis 1988 gelangten die Belegschaftsmitglieder der Henrichshütte aus dem Rauendahl mit der Fähre zu ihrer Schicht. Bereits seit Anfang des letzten Jahrhunderts gab es den Fährbetrieb über die Ruhr – zunächst lag er in privater Hand. Ab 1948 übernahm die Henrichshütte die Fährverbindung. Am 11. November 1969 schließlich hatte die „MS Ruhrstahl“ ihre Jungfernfahrt. Die Stilllegung der Henrichshütte 1987 machte auch das „schwimmende Werkstor“ überflüssig. Und so hatte die MS Ruhrstahl am 1. Juli 1988 ihre vorerst letzte Fahrt. 1990 wurde sie noch einmal kurzzeitig reaktiviert, um beim Treidelfest an die Tradition der Ruhrschifffahrt zu erinnern. Doch danach wurde es endgültig still um das Boot, das fast zwanzig Jahre lang Tag und Nacht die Ruhr überquert hatte – rund 30 Mal in 24 Stunden. Das Boot rostete vor sich hin – zunächst im Besitz Landesentwicklungsgesellschaft (LWG), auf dem Gelände der Henrichshütte später dann in Privatbesitz.

1000 Fahrgäste pro Wochenende

Bis der Monheimer Verein „Piwipper Böötchen“ das alte Fährboot entdeckte. Im April 2010 gründete sich der Verein, um die traditionelle Fährverbindung zwischen Monheim und Dormagen, die bis 1977 auf dem Rhein bestanden hatte, wieder aufleben zu lassen. Der Bau der Autobahnbrücken hatte sie damals überflüssig gemacht. „Die Bevölkerung ist seitdem sportlich bewusster geworden und hat auch mehr Freizeit als früher“, weiß Vereinsvorsitzender Heiner Müller-Krumbhaar. Und so waren er und seine Mitstreiter überaus optimistisch, dass eine Fahrradfähre für Ausflügler Erfolg haben würde. Das richtige Boot hatten sie schon vor Gründung ihres Vereins ausfindig gemacht: die alte MS Ruhrstahl. „Damals war das Schiff in einem fürchterlichen Zustand“, erinnert sich der Vereinsvorsitzende heute. Aber der große Vorteil der alten Werksfähre war die Bugklappe, die direkt aufs Ufer heruntergelassen werden kann.

Denn sonst hätte der Verein erst noch eine teure Anlegebrücke bauen lassen müssen. Und auch der Antrieb mit Schottelruder, das es der Fähre ermöglicht quasi auf der Stelle zu wenden, war ein Argument für das alte Boot. Doch bevor die MS Ruhrstahl unter neuem Namen ihrer neuen Aufgabe nachgehen konnte, mussten noch einige Hindernisse überwunden werden – vor allem zahlreiche Behördengänge.

Etwa 25 verschiedene Ämter seien es gewesen, fasst Müller-Krumbhaar zusammen. Doch es hat sich gelohnt. Vom 1. September bis zum 14. Oktober dieses Jahres war die „Piwipp“ – so heißt die MS Ruhrstahl heute – im Testbetrieb unterwegs. Obwohl nur noch zwölf Fahrgäste zugelassen sind, hat sie pro Wochenende etwa 1000 Personen befördert. Am 23. März 2013 startet die Saison wieder.

 
 

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