„Motivation ist auf dem Tiefpunkt“

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Hattingen.  Die acht Löschzugführer der ehrenamtlichen Feuerwehren haben einen offenen Brief an alle Stadtverordneten geschrieben.

„Wir, die Freiwillige Feuerwehr, erwarten, dass Sie ihre Entscheidung über die Finanzierung des Neubaus neu überdenken. Opfern Sie nicht die Sicherheit der Bürger, sondern lassen Sie uns dieses wichtige Gut gemeinsam sichern. Bieten Sie uns als Feuerwehr eine zukunftsfähige Infrastruktur, damit wir die Erwartungen erfüllen können, die Sie und alle Hattinger Bürger an uns stellen.” Diesen Appell richten die Löschzugführer der acht Freiwilligen Feuerwehren an die Politik. In einem offenen Brief an alle Stadtverordneten setzten sich die Chefs der ehrenamtlichen Züge in Hattingen-Mitte, Welper, Blankenstein, Holthausen, Bredenscheid, Oberstüter, Elfringhausen und Niederwenigern sowie die Ehrenabteilung vehement für den geplanten Neubau am Wildhagen ein, den der Ratsbeschluss vom 8. Juli gekippt hat.

„Die neue Unterkunft sollte für alle Löschzüge ein Sammelpunkt werden für Ausbildung der Nachwuchskräfte, gemeinsame Übungen, Fortbildung aller Einsatz- und Führungskräfte. Auch als Ruhe- und Verpflegungsbereich bei oder nach Großeinsätzen hätten die Bereiche genutzt werden können”, heißt es weiter.

Das Aus für die zeitnahe Fortführung des Projekts habe alle völlig unerwartet getroffen. Als „unverständlich” empfinden die Wehrkräfte, dass die Entscheidung durch eine geheime Abstimmung herbeigeführt wurde. „Wir werten dies als Affront gegen die Freiwillige Feuerwehr, die stets den offenen Dialog zur Politik gesucht hat, um für Probleme und Nöte zu sensibilisieren.”

Die Reaktionen auf das Aus für die Wache reichten von trauriger Sprachlosigkeit über Resignation bis hin zu enttäuschter Fassungslosigkeit. „Die Diskussionen haben bei uns eine Form angenommen, die es so in der weit über 135-jährigen Tradition der Feuerwehr Hattingen noch nicht gegeben hat. Die Motivation hat einen nie gekannten Tiefpunkt erreicht.”

Die Feuerwehr Hattingen als ehrenamtliche Feuerwehr mit hauptamtlichen Kräften habe ihre Wurzeln in der Motivation und Einsatzbereitschaft des einzelnen hauptberuflichen Mitarbeiters, aber insbesondere in dem Engagement der ehrenamtlichen Männer und Frauen, die sich in letzter Konsequenz mit ihrem Leben der Sicherheit der Bevölkerung der Stadt Hattingen verschrieben haben.

„Sie als Ratsmitglieder sind aufgefordert, die richtigen Signale für eine leistungsfähige kommunale Gefahrenabwehr zu setzen”, fordern die Löschzugführer. Und weisen darauf hin, dass eine Hauptfeuer- und Rettungswache das Herz einer jeden Feuerwehr sei. Gerade dort würden wichtige Fortbildungen und gemeinsame Übungen durchgeführt, die die Leistungsfähigkeit des eng miteinander verzahnten Einsatzkonzeptes von Haupt- und Ehrenamt erhalten.

„Somit betrifft der Neubau einer Hauptwache die Feuerwehr als Ganzes.”

Kommentar: Offene Dialoge und geheime Wahlen

Für die SPD ist die politische Gemengelage klar. Die Sozialdemokraten vermuten, die CDU habe „die Feuerwache auf dem Altar der Dezernentenwahl geopfert“, sich das Ja der Grünen/FWI für Beate Schiffer durch ein Nein zur neuen Wache erkauft.

Das mag stimmen oder nicht. Belegbar ist die inflationäre Flucht der CDU in geheime Abstimmungen. Bei der Wache. Beim Kunstrasen. Und genau hier legen die Löschzugführer nun den Finger in die Wunde. Sie sehen die Geheimniskrämerei als Affront gegen die Freiwillige Feuerwehr, die stets den offenen Dialog zur Politik gesucht habe.

Nicht nur in der Sache, auch in der Form entfernen sich die Christdemokraten von den Betroffenen ihrer Entscheidungen. In diesem Fall von Ehrenamtlichen, deren Einsatz in Sonntagsreden gerne gewürdigt wird.

Glaubwürdige Politik sieht anders aus. Viel wäre schon gewonnen, wenn die Ratsvertreter, die die neue Wache gekippt haben, einmal sagen würden, was denn die Alternative ist. Ulrich Laibacher

 
 

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