Mit Krücken und Rollator zum Treffen

Alfred Weigelt. Foto: Archiv, Walter Fischer
Alfred Weigelt. Foto: Archiv, Walter Fischer
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24 Mitglieder, Altersdurchschnitt 78: Die Evangelische Arbeitnehmer-Bewegung bangt um ihr Bestehen.

Hattingen..  Ist dies die Zeit, in der sich das bürgerliche Vereinswesen langsam auflöst? Wie berichtet, bangt die Katholische Arbeitnehmer Bewegung um ihr Bestehen, weil der Nachwuchs fehlt. Jetzt meldet Alfred Weigelt: „Bei der Evangelischen Arbeitnehmer-Bewegung (EAB) sieht es genauso schlecht aus.“

Nur die alten Mitglieder treffen sich noch regelmäßig. Alfred Weigelt trat vor rund sechzig Jahren in die EAB ein und ist fast ebenso lange Vorsitzender. „Nächsten Monat werde ich 88 Jahre alt, doch solange ich lebe, möchte ich mich für die EAB einsetzen.“

Insgesamt habe die EAB zurzeit 24 Mitglieder. Rund 15 Mitglieder treffen sich alle zwei Wochen, kommen teilweise mit Rollator und Krücken ins Gemeindehaus Augustastraße. „Sie wollen den Verein auf keinen Fall auflösen, denn sie brauchen die Gemeinschaft und freuen sich auch auf das Bildungsangebot“, so Alfred Weigelt. „Wir behandeln Themen wie das Sparen bei der kirchlichen Gemeindearbeit, Aufgaben eines Schiedsmanns, Steuern für Rentner oder Gesundheitsfragen.“ Außerdem verfassten die Mitglieder Resolutionen, schrieben an Regierungen, Abgeordnete, Gewerkschaften und Kirchen. Sie laden Referenten ein, organisieren Feste und Ausflüge. „Jede Zusammenkunft beginnt mit einer kurzen Andacht, dann folgt ein Kaffeetrinken, wobei das Geburtstagskind der letzten zwei Wochen den Kuchen spendiert“, freut sich Alfred Weigelt über die kleine Tradition.

„Die EAB wurde 1886 als Evangelischer Arbeiter- und Bürgerverein Hattingen gegründet. In besten Zeiten, 1972, hatten wir 340 Mitglieder“, verkündet Weigelt stolz. Mittlerweile muss er einsehen, dass diese Zeiten vorbei sind. „Es ist traurig, aber damit muss man leben, das ist überall so. Vor allem in kirchliche Vereine wollen sich junge Leute heute nicht mehr einbinden.“ Das hat zur Folge: „Der Altersdurchschnitt unserer Mitglieder liegt bei 78 Jahren.“ Und das zeigt, dass das bürgerliche Vereinsleben mehr und mehr zu Ende geht. Aber die treuen Mitglieder sollten sich darüber freuen, dass sie Anteil daran hatten.

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