LWL sagt „MitMenschen 2010“ in Hattingen ab

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Hattingen.  Vor dem Hintergrund der Loveparade-Katastrophe hat der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) seine Großveranstaltung „Mitmenschen 2010“ abgesagt. Der LWL hatte am ersten Septembersonntag in Hattingen mindestens 10.000 Menschen erwartet.

„Alle haben sich so viel Mühe gegeben. So viele Leute freuten sich schon darauf. Aber ich könnte es nicht verantworten, wenn auch nur ein Gast aufgrund von Sicherheitsmängeln zu Schaden käme.“ Wolfgang Kirsch lässt keinen Zweifel daran, dass ihm die Absage des Begegnungsfestes „MitMenschen 2010“ schwer gefallen ist, letztlich aber ohne Alternative war. „Nach neuem Nachdenken im Schatten von Duisburg“ hat der Direktor des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe die Großveranstaltung, zu der das Industriemuseum Henrichshütte am 5. September 10 000 Besucher erwartet hätte, am Mittwoch gekippt.

Die besondere Größenordnung des Festes, vor allem aber das besondere Klientel der Mitwirkenden und Gäste habe zu der Entscheidung geführt, konkretisierte LWL-Sprecher Karl Donath auf Nachfrage der Hattinger Zeitung die Gründe. Die Frage, wie die erwartete große Anzahl von Menschen mit geistigen Behinderungen, psychischen Erkrankungen oder Beeinträchtigung der Sinne im schlimmsten anzunehmenden Unglücksfall sicher evakuiert werden kann, sei nicht absolut schlüssig zu beantworten gewesen. Es gebe kein generelles Sicherheitsproblem im Industriemuseum Henrichs-hütte. Aber: „Duisburg hat die Sinne für Diskussionen im Detail geschärft.“

„MitMenschen 2010“ sollte eine Werbung für Integration sein

Was jetzt nicht stattfindet, war als großer Begegnungsspaß für alle geplant. 600 Mitwirkende aus Einrichtungen aller LWL-Bereiche (Jugend/Schule, Kultur, Psychiatrie, Soziales, Maßregelvollzug) sollten das Wirken des Landschaftsverbandes vorstellen, den 10 000 Gästen ein Programm aus Musik, Aufführungen, Kunst, Informationen und Mitmach-Aktionen bieten. Ein Familienfest von und für Behinderte und Nicht-Behinderte, die gemeinsam etwa einen „Traum-Zirkus“ mit Akrobatik, Jonglage und Tanz auf die Bühne bringen wollten. Für den Abend war ein Auftritt des Superstar-Musikers Thomas Godoj geplant.

Viel Einsatz, Euphorie und rund 50 000 Euro hatte der LWL in die Vorbereitungen gesteckt. „MitMenschen 2010“ sollte eine Werbung dafür sein, dass Menschen mit Handicap besser in die Gesellschaft integriert werden, Vorurteile abbauen, eine Plattform für Dialoge schaffen.

Nun wird nichts daraus am 5. September in Hattingen. Ob die Veranstaltung nachgeholt wird, steht noch nicht fest. Was klar ist: dass Robert Laube zwei Meinungen zur Absage hat. Er sei kein Panikforscher und verstehe, dass die Katastrophe bei der Loveparade Folgen hat, so der Chef des Industriemuseums. Aber: „Wir sind nicht Duisburg. Es gibt acht Ausgänge und kein wirkliches Sicherheitsrisiko. Wir haben Erfahrungen mit Extraschicht und Public Viewing und bei den Vorplanungen ganz bestimmt nichts riskiert.“

 
 

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