Lichtblick für demente Menschen

Eva-Betreuerinnen für Demente: Maria Triestram, Hermine Kittsteiner, Gudrun Cramer und Renate Mohren. Foto: Svenja Hanusch/ WAZ FotoPool
Eva-Betreuerinnen für Demente: Maria Triestram, Hermine Kittsteiner, Gudrun Cramer und Renate Mohren. Foto: Svenja Hanusch/ WAZ FotoPool
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Vier EVAs sorgen seit zehn Jahren für Entlastung von Alzheimerangehörigen.

Hattingen..  Wenn EVA anrückt, haben alle gut lachen. Ist sie doch für die „Entlastung von Alzheimerangehörigen“ da und kümmert sich nur um den Kranken. Trotzdem bleibt manchem Familienmitglied das Lachen anfangs zunächst buchstäblich im Hals stecken. Nicht weil er oder sie die Kraft, die mit der Alzheimer Gesellschaft ins Haus schneit, nicht leiden könnte.

Angehörige müssen häufig erst lernen loszulassen. Mit der Riesenfreude des Kranken über die Besucherin richtig umzugehen, die zwei Stunden die Woche kommt. Während sie rund um die Uhr im Dienst sind. Und diese Dienste selbstverständlich in Anspruch genommen werden. Verantwortung abzugeben.

Erfahrene EVAs wissen das. Frauen wie Maria Triestram, mit 75 Jahren die Älteste in der Helferinnen-Runde, Hermine Kittsteiner, Gudrun Cramer und Renate Mohren. Sie sind Frauen der ersten Stunde, die in dem mittlerweile seit zehn Jahren existierenden Projekt von Anfang an mitgemacht haben. Und dafür, wie Maria Elisabeth Warnecke und Monika Dörfel, die EVA aus der Taufe gehoben haben, von Ulrike Dieckmann als Vorsitzender der Alzheimer Gesellschaft Blumen bekamen.

Für Maria Triestram, die auch nach dem Beruf „etwas Sinnvolles“ tun wollte, ist der Einsatz auch eine kleine Wiedergutmachung an der eigenen Mutter. So gut wie keine Hilfe habe es früher bei dem Thema gegeben. Erst während der Schulung wurde ihr klar, „wie viel ich falsch gemacht habe“. Wobei Angehörige mit sich nicht zu sehr ins Gericht gehen sollten. Sie haben nicht den Abstand wie EVAs, sind persönlich betroffen, oft überfordert.

Insgesamt sind 27 Kräfte im Einsatz, darunter zwei Adams. Sie kümmern sich um 42 demente Menschen, sind ausschließlich für sie da und verschaffen dadurch auch den Angehörigen ein paar Stunden Luft. Sie übernehmen keine Pflege, sind eher eine Art Gesellschafterin. Und machen mit den betreuten Menschen, wozu diese Lust haben oder noch in der Lage sind.

Für Gudrun Cramer kann das bedeuten, dass sie nicht zum Vorlesen ins Haus kommt, sondern sie dort ein Buch liest und ihr Schützling ebenfalls. Sie hat in der ambulanten Pflege gearbeitet, wo sie sich vom Dienst mit der Stechuhr, von der knapp bemessenen Zeit, dem Zwang, alles zu dokumentieren statt in der Zeit für die Menschen da zu sein, in die Zange genommen fühlte.

Für das, was ihr wichtig ist, den Umgang mit kranken und alten Menschen, auf ihre Bedürfnisse einzugehen, für sie da zu sein, blieb kaum Raum. EVA passte dagegen von Anfang an, „die Betreuung eins zu eins, wo gibt es sowas?“

Was es häufig gibt, ist eine jahrelange Begleitung – oft bis zum Tod. Dann nehmen sich auch EVAs eine Auszeit, um Abstand zu gewinnen, die Situation zu verarbeiten. Bis sie sich auf einen neuen Menschen einlassen können, erzählen, lesen, in Fotoalben blättern oder beim ehemaligen Beruf der betreuten Menschen ansetzen.

Nach zehn Jahren im Dienst wissen sie: Mehr als die Kranken selbst, die in ihrer eigenen Welt leben, leiden oft die Angehörigen, die sie rund um die Uhr pflegen. Sie zu entlasten, ihnen Freiraum zu verschaffen, ist ihnen ein Anliegen.

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