Leiharbeiter auch im EN-Kreis

Jürgen Augstein

Hattingen.  Kreisgeschäftsführer Jochen Winter grenzt die Praxis vor Ort aber von der in Essen ab.

Auch die Arbeiterwohlfahrt im Ennepe-Ruhr-Kreis setzt Leiharbeiter in der Pflege und anderen Sozial- und Gesundheitsberufen ein. Dies aber nur da, wo schnell Ersatzkräfte gebraucht würden und auch nur bei solchen Firmen, die die Zeitarbeitskräfte relativ schnell in den ersten Arbeitsmarkt vermittelten.

Anders als bei der Arbeiterwohlfahrt in Essen könne aber im Ennepe-Ruhr-Kreis keine Rede davon sein, dass Pflegekräfte grundsätzlich nur noch als Leiharbeiter eingesetzt werden, um bei den Löhnen zu sparen, versichert Kreisgeschäftsführer Winter.

Die WAZ hatte am Donnerstag groß über die Beschäftigungsverhältnisse der AWO in Essen berichtet. Demnach ersetzt die AWO in ihren sechs Essener Pflegeheimen nach und nach die zum höheren AWO-Tarif bezahlten Kreis-Mitarbeiter systematisch durch Kräfte der hauseigenen Awo Service GmbH. Dort verdienen Fachkräfte rund zehn Prozent und Pflegehelfer teils 17 Prozent weniger. Die Mitarbeiter haben feste Einsatzorte.

Im EN-Kreis hatte die AWO vor einigen Jahren den Zuschlag zur Gründung einer Personalserviceagentur (Peso) bekommen, die von der Arbeitsagentur ausgeschrieben war. „Ziel ist die Vermittlung in den ersten Arbeitsmarkt“, beteuert AWO-Kreisgeschäftsführer Jochen Winter.

Er spricht von einer Vermittlungsquote von jährlich 50 Prozent. Leiharbeiter würden an andere Arbeitgeber entliehen, aber auch in eigenen Häusern eingesetzt, wenn es Ausfälle durch Krankheit oder Arbeits- bzw. Auftragsspitzen gebe. Derzeit beschäftige die Peso rund 150 Arbeitnehmer. Aber auch der AWO-Unterbezirk stelle nach wie vor Mitarbeiter ein, betont Winter. Der Unterbezirk habe etwa 740 Beschäftigte. Winter: „Wenn ich keine Stelle zu besetzen hätte, dann würde ich sie an die Peso weiterleiten.“ Er spricht von einer von vielen arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen der AWO.

Was die Bezahlung der Leiharbeiter angeht, erklärt Winter: Die Peso sei der IGZ angeschlossen, der Interessengemeinschaft für Zeitarbeitsfirmen, wo es mit dem DGB vereinbarte Tarife gebe. Winter: „Wir zahlen zum Teil mehr als den IGZ-Tarif, weil wir die Leute sonst gar nicht bekämen.“ Dieser Tarif liege etwas unter dem für Festangestellte. Wobei der Differenzbetrag weniger als zehn Prozent betrage.

Der Unterschied zur AWO in Essen sei der, dass der Unterbezirk nach wie vor eigene Mitarbeiter einstelle, erklärt der Kreisgeschäftsführer. Leiharbeiter setze man nur dort ein, wo schnell Ersatzkräfte gebraucht würden und auch nur bei solchen Firmen, die die Zeitarbeitskräfte relativ schnell in den ersten Arbeitsmarkt vermittelten. Zu den Auftraggebern der IGZ gehörten auch viele andere Träger der Wohlfahrtspflege.