Kunst im Alltag in Szene setzen

Foto: WAZ FotoPool
Jörg Wollenberg lässt Bilder von Brücken hängen, inszeniert sie neben dem Roswitha-Denkmal, pflanzt Bilder auf Verkehrsinseln und sucht ein Zuhause für seine Werke außerhalb von Museen.

Hattingen.  Bequemer macht das Riesenauge den Sitz an der Bushaltestelle bestimmt nicht. Keine Angst: Sie laufen nicht Gefahr, sich in das spitze, stachelige Werk zu setzen. Sein Schöpfer hat es wieder mitgenommen. Wie auch die Dinge im Henrichspark. Oder das Bild neben dem Roswitha-Denkmal. Und selbstverständlich liegen weder Jörg Wollenberg noch ein von ihm geschaffener Schädel, durchbohrt von Nägeln, weiter zwischen Bahngleisen, wo er sich hat ablichten lassen. Der 46-Jährige will Kunst in Szene setzen, ihr einen anderen Rahmen verschaffen als die übliche Ausstellung im Museum oder einen Platz in der Galerie.

Fotosession mit neuen Einblicken

Eine Skulptur, „Die Auferstehung“, ganz in Weiß, hat er in den Schnee gestellt. Er will „keine illegale Werbung machen“, sondern Werke eine halbe Stunde oder länger inszenieren für eine Fotosession, die neue Einblicke bietet. Bilder von Brücken wehen lassen. Gern würde er was mit einer Kirche machen oder auf Burg Bankenstein. Bilder und Skulpturen in Szene setzen, anders darstellen. Wer erwartet schon ein Bild mitten auf einer Verkehrsinsel? Also pflanzt er es dorthin für eine kurze Zeit, denn: Durch die Inszenierung wirke nicht nur das Bild anders, sondern auch die gewohnte Umgebung in Welper.

„Kunst sucht ein Zuhause“ ist sein aktuelles Anliegen. Wobei der „bildende Künstler und Kleindarsteller“ aus Hattingen mit verschiedenen Werken, Ölgemälden und Skulpturen, in der Stadt unterwegs ist und „meine Werke sowohl im Alltag als auch an speziellen Locations in Szene“ setzt. Im Henrichspark hat er sich mit Aoughus Wilson zusammengetan und eine Fotosession im Park hinter dem Museum veranstaltet. Der 21-Jährige ist gelernter Steinmetz. Er hat den Ikarus nachgestellt, mit jeder Menge Federn an den Armen. „Ich war das Kunstwerk.“ Ein Besucher ist zwar mehrmals vorbeigekommen. Angesprochen wurde das Duo jedoch nicht.

Mit anderen zusammentun

Wollenberg will sich auch mit anderen Künstlern zusammentun und „gern mal einen Tag in Hattingen organisieren“, vielleicht in der Fußgängerzone. Im Juli beteilige er sich bei Kunst an der Trasse in Sprockhövel. Von der Kfz- und Zweiradmechanik hat sich der Hattinger immer mehr auf die Kunst verlegt, das Hobby immer mehr zum Beruf gemacht. Denn als Handwerker habe er „kein Geld verdient. Mit acht, neun Euro brutto die Stunde“. „Hexenbrut“ – gestern war Walpurgisnacht – findet sich ebenfalls auf seiner Homepage, wo er Himmel und Hölle künstlerisch in Bewegung setzt mit seinem „Teufelz-Werk“. Mit dem er provozieren will, wie mit seinen surrealistischen Ölgemälden und den Skulpturen, die wohl nicht jeden Geschmack treffen. „Ich mach’ nichts mit Blümchen“, sagt Wollenberg. Und nimmt sich „die künstlerische Freiheit“ zum manchmal gruseligen Kontrastprogramm.

 
 

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