Kulturelles zwischen Wein und Woz

Hellmut Lemmer. Foto: Svenja Hanusch / WAZ Fotopool
Hellmut Lemmer. Foto: Svenja Hanusch / WAZ Fotopool
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Hellmut Lemmer, einst Motor der Kubischu, hat noch viele Ziele.

Hattingen..  Was die Zeit des Anrufs angeht, lässt sich die Frage ganz leicht beantworten: „Staubsaugen.“ Doch flugs legt Hellmut Lemmer das Gerät aus der Hand und ist bereit für ein Interview im Rahmen der Serie „Was macht eigentlich?“. Der 65-Jährige ist ja nicht von der Bildfläche verschwunden, seit er als Studiendirektor in Pension gegangen ist und sich von der Kubischu zurückgezogen hat, sondern macht Wein-Kultur zusammen mit Dietmar Paschen.

In das berühmte schwarze Loch ist er nie gefallen, weiß sich sinnvoll zu beschäftigen und sich zu engagieren. „Ich bin immer gerne zur Schule gegangen, bis zum Schluss“, sagt Lemmer. Und setzt hinzu: „Ich habe aber auch schnell gesehen, dass ich auch ohne Schule gut leben kann.“ Schließlich war er „immer aktiv“ – auch außerhalb des Unterrichts. Im Sommer ist er endgültig in Pension. Seit drei Jahren unterrichtet er nicht mehr dank Altersteilzeit. „Es hat sich kein Vakuum aufgetan.“

Auch der Ausstieg bei der Kubischu war kein Rieseneinschnitt. Das sei alles gut durchgeplant gewesen. Mit langem Vorlauf. Angesichts der Berichte über EAB und KAB, die immer weniger Mitglieder haben, findet Lemmer auch im Nachhinein richtig, was zwei Jahre abgesprochen und vorbereitet wurde, dass Kulturinitiative und Förderverein Stadtmuseum sich zusammengetan und ihre kulturellen Kräfte gebündelt haben.

Nachdem er selbst 25 Jahre geplant und gemacht hat, war es Zeit, andere Leute mit anderen Ideen zum Zug kommen zu lassen. Was er gern noch mit Dietmar Paschen unter Dach und Fach bringen möchte, ist allerdings die Steinskulptur Woz im Gethmannschen Garten. Gemeinsames Anliegen mit dem Förderverein sei, das fehlende Geld dafür zusammenzubekommen und „die Geschichte zu Ende zu bringen“.

Zu Ende gegangen ist gerade ein Urlaub mit Tochter Lene in Namibia, bei dem beide gemeinsam Wurzeln nachspürten. „Das war toll für mich, mit meiner Tochter unterwegs zu sein. Ein schönes Erlebnis.“ Sein Großvater habe dort in der Mission gearbeitet, seine Mutter sei dort geboren. „Das Land ist faszinierend“, sagt Hellmut Lemmer, zurück in Hattingen. Er war zum ersten Mal in Namibia, „alles war sehr aufregend für uns“. Als er noch voll im Beruf stand, hätte er nur in den Sommerferien fahren können. Dann wäre dort aber Winter gewesen, nicht die schönste Reisezeit.

Mit dem kleinen Weinhandel hat er gemeinsam mit Paschen „das Hobby zur Beschäftigung gemacht“. Beide verbinden Wein und Kultur, pflegen Kontakte zu Winzern. Am 2. Juni mischen sie beim Day of Song mit, am 14. entführen sie mit der VHS ins Weinland Baden. Weinprobe und Imbiss inbegriffen. „Das ist eine schöne Reihe geworden.“ Auch privat schneien Grüppchen zu Weinproben an der Thingstraße vorbei. Konkurrenz will Hellmut Lemmer dem Hattinger Weinhandel nicht machen. Dafür ist auch zu selten geöffnet mit je drei Stunden am Freitag und Samstag. „Es soll Spaß machen, wir müssen ja nicht davon leben.“

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