Könige, Kinder und der Schachlehrer

Foto: Fischer
Beim Ferienspaß üben sich Jungs und Mädchen im Denksport.

Hattingen..  Früher stieg Markus Borgböhmer auf die Leiter, heute schaut er Kindern beim Grübeln über die Schulter. Der 44-Jährige war einst Maler und Lackierer, doch seit 2007 ist er begeisterter Schachlehrer. „Das macht mir viel mehr Spaß“, sagt er. Und antwortet einem Jungen: „Natürlich dürft ihr zwischendurch essen und trinken, wir sind hier schließlich nicht in der Schule.“ Stimmt, es sind Sommerferien, aber in der ersten Woche kommen sechs Jungs zum Schachcamp TC Ludwigstal, um trotzdem zu lernen und zu üben.

In der Schachschule sitzen die Kinder sich paarweise gegenüber und spielen. Beim Ferienspaß können Mädchen und Jungen ausprobieren, ob ihnen der Denksport gefällt. Während der Schulzeit findet immer dienstags ein einstündiges Treffen von 16.30 bis 17.30 Uhr statt. Sieben Kinder und Jugendliche nutzen dieses Angebot zurzeit. Erwachsene Schüler gibt es allerdings nicht. „Ich weiß nicht, warum Erwachsene kein Interesse am Schachunterricht haben“, wundert sich Markus Borgböhmer und zuckt mir den Schultern.

Das Vereinshaus des TC Ludwigstal ist nur ein Ort, an dem Borgböhmer Kinder und Jugendliche trainiert. Viel unterwegs ist der Schachlehrer: Zu zehn Schulen in Hattingen und Umgebung fährt er regelmäßig, um dort zu unterrichten. Meistens nach dem regulären Schulunterricht, manchmal auch währenddessen in Klassen. Außerdem besucht er noch vier Kindergärten. „Das beste Alter, um mit dem Schachspielen anzufangen, ist fünf oder sechs.“ Aber auch später kann man das Schachspielen noch problemlos lernen. Borgböhmer selbst fing erst im Alter von 14 Jahren an, sich für Schach zu interessieren.

Bei den Kindern vom Ferienspaß sieht das anders aus. Alex ist zehn Jahre alt und spielt schon seit rund vier Jahren Schach. „Ein Freund hat mich damals gefragt, ob ich in einer Schach AG mitmachen möchte“, sagt er. Jeden Dienstag übt er beim TC Ludwigstal, jeden Freitag spielt er zusätzlich im Schachverein. „Ich bin fast der einzige aus meiner Familie, der Schach spielt“, sagt er. Doch das kann er gut. Konzentriert huschen seine Augen über das schwarz-weiße Brett, blitzschnell entscheidet er sich, setzt die Figuren, tüftelt am nächsten Zug. „Am liebsten mag ich die Könige – den König muss man gut beschützen, ist er in der Zwickmühle, ist das Spiel vorbei.“ Hier macht ihm das Pauken und Grübeln Spaß. „Es gehört zum Spiel dazu.“

Die schwarze Dame lässt Alex lässig über das Brett tanzen, bis er schließlich seinem Gegner zuruft: „Schachmatt.“ Er lächelt zufrieden. Fügt aber hinzu: „Ich bin auch ein ganz guter Verlierer. Ich finde es okay, wenn ich mich mal geschlagen geben muss.“ Da kennt er einen anderen Schachspieler, der dann sauer werden kann. „Einmal hat er alle Figuren vom Brett gefegt“, sagt Alex und lacht. Gewinnen und verlieren – das macht das Schachspielen interessant. „Es ist spannend, wenn nur noch wenige Figuren auf dem Brett stehen.“

Einmal im Monat nimmt Alex an Wettkämpfen teil. Er spielt in der fünften Mannschaft vom SV Welper. „Wir sind zwei Jungs und vier Mädchen.“ Da zeigt sich dann, welche neuen Tricks er beim Schachcamp gelernt hat.

 
 

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