Kletterkunst im Kirchturm

Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool
Foto: Monika Kirsch / WAZ FotoPool
Foto: WAZ FotoPool
Mit Küster Franz-Josef Karopka geht es in St. Peter und Paul hoch hinauf.

Hattingen.. Um die 110 Treppenstufen führen hinauf in den Kirchturm von St. Peter und Paul. Mit dem Küster Franz-Josef Karopka hat die Hattinger Zeitung diesen Aufstieg gewagt, bei dem man schwindelfrei sein sollte. „Das ist wie ein kleines Abenteuer für sich, so hoch hinaus kommt nämlich niemand außer den Dachdeckern und dem Glockenwart“, berichtet der Küster.

Insgesamt drei Stationen gilt es dabei zu überwinden, die zunächst noch über eine schmale Wendeltreppe zu erreichen sind. Der erste Halt ist auf der Orgelbühne: „Hier kann in den Messen auch noch das Publikum sitzen sowie der Ort für den Chor und den Organisten reserviert ist“, so der Küster. Weiter hinauf geht es allerdings nicht für Unbefugte, denn mitten auf der Treppe ist eine stets verschlossene Holztür. Ab hier gilt es ebenfalls den Kopf einzuziehen, denn die Wendeltreppe wird noch schmaler. Zudem muss man einigen Spinnenweben ausweichen, die sich in der im Jahr 1870 geweihten Kirche mit der Zeit eingenistet haben.

Die zweite Station stellt das Kirchenschiff dar, wobei man die großen grauen Gewölbe aus dem prächtig verzierten Kircheninneren mal von der anderen Seite bestaunen kann. Hier führt ein wackeliger Brettergang zu der einzigen Luke, die man öffnen und von dort aus über die Dächer von Hattingen schauen kann. „Wenn einmal Material zur Renovierung benötigt wird, ist das die einzige Möglichkeit dieses hinauf zu schaffen“, erklärt Franz-Josef Karopka. An diesem Punkt beginnt das eigentliche Abenteuer: Anstatt Treppen führen nun senkrechte Leitern zur nächsten Ebene, auf der die fünf Glocken untergebracht sind.

Spätestens hier sollte man eine gewisse Beweglichkeit beweisen und beinahe schon Erfahrungen im Klettern haben. Oben angekommen, heißt es weiter: Nerven bewahren. Denn mit einem falschen Tritt könnte man in eines der vielen Löcher im Holzboden geraten und doch einige Meter tief fallen. „Genau deshalb gibt es keine Führungen hinauf in den Kirchturm, es wäre einfach zu gefährlich“, betont der Küster. Hier oben ist wirklich selten jemand und die drei Skelette von toten Tauben geben dem Ort zusammen mit dem pfeifenden Wind durch die verschlossenen Fenster einen leicht gruseligen Charakter. Diese Fenster kann man auch nicht öffnen, da sie als Schallbretter dienen.

„Weiter oben befindet sich dann noch das Uhrwerk, wo ich selbst in meinen 16 Jahren Amtszeit noch nie war“, erklärt Franz-Josef Karopka. Der Aufstieg zu dieser Ebene ist also nur erfahrenen Fachleuten gewährt.

 
 

EURE FAVORITEN