Klavierspiel rettet das Leben

Foto: Svenja Hanusch / WAZ FotoPool
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Junge Hattinger Sinfoniker erinnern an das Schicksal eines jüdischen Pianisten.

Hattingen..  Das Klavierspielen rettete einem polnischen Juden im Zweiten Weltkrieg das Leben. Zum Andenken spielten die Jungen Hattinger Sinfoniker, die seit drei Jahren auch unter dem Namen Kreissinfonieorchester EN firmieren, das Stück von Wladyslaw Szpilman „Concertino für Klavier und Orchester“. Die 60 Musiker unternahmen in der Gesamtschule „eine musikalische Reise nach Osteuropa“.

„Prag, Warschau, Moskau – die Orchestermusik aus Osteuropa ist sehr klangsinnig und macht daher viel Spaß zu spielen“, sagt Bernd Wolf. Gemeinsam mit Wolf Dieter Schäfer leitet er das Orchester.

Um an das Schicksal des jüdisch-polnischen Pianisten Wladyslaw Szpilman zu erinnern, erklärt er dem Publikum: „Szpilman hat während des Zweiten Weltkriegs im Warschauer Ghetto gelitten und als einziger von seiner Familie überlebt. Das Klavierspielen hat ihm dabei geholfen, denn ein SS-Offizier hörte ihn spielen und fand ihn so toll, dass er ihn schützte.“ Der Film „Der Pianist“ von Roman Polanski zeigt die Geschichte.

Doch das Orchester erzählt mit den Instrumenten auch fröhliche Geschichten: das Märchen von Dornröschen. Die Musiker spielen Tschaikowskis Walzer und Adagio aus „Dornröschen op. 66“. Die Flöten- und Geigenspieler zaubern zu den hellen Tönen des Xylophons eine freundliche, traumhafte Melodie. Dann mischen sich mehr und mehr dunkle Töne dazu – vom Bass, den Posaunen, der Tuba. Die Melodie wird schneller, klingt gefährlicher. Gleich passiert etwas. Synchron streichen die Geigenspieler die Bögen. Ein dramatisches Moment. Plötzlich steht ein Musiker auf und schlägt die Becken zusammen. Ist Dornröschen jetzt in den endlosen Schlaf gefallen?

Die Zuschauer blicken auf eine Landschaft aus Notenständern, Mikrofonen, Stühlen, auf denen die Musiker beieinander sitzen, ihre Saxophone, Bratschen, Posaunen in den Händen halten. Rechts am Rande steht der große Bass, links am Rand der schwarze Flügel. Damit Pianist Karl-Heinz Stegmann von der Musikschule darauf spielen kann, schieben die Musiker ihn weiter in die Mitte hinein.

Zum Schluss spielen sie den „Einzug der Gladiatoren“ von Julius Fucik – mit einem bombastischem Paukenschlag.

 

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