Kinder brauchen Raum zum Spielen

Andreas Gehrke mit Tochter Patrizia
Andreas Gehrke mit Tochter Patrizia
Foto: WAZ FotoPool
Der 20. September ist Weltkindertag. Weltweit wird damit ein Zeichen für Kinderrechte gesetzt.Andreas Gehrke möchte sie im Grundgesetz verankern.

Hattingen..  Armut. Diskriminierung, Gewalt, Bildungsungleichgewichte. „Kindheit ist kein Zuckerschlecken“, sagt Andreas Gehrke vom Kinderschutzbund Hattingen-Sprockhövel im Interview mit WAZ-Volontärin Helene Seidenstücker.

Herr Gehrke, ist der Weltkindertag im Bewusstsein der Bürger präsent?

Leider interessieren sich zu wenige für den Kinderschutz. Das sagt viel über unsere Gesellschaft aus. Auch wenn es Eltern gibt, die den Tag auf dem Schirm haben. Aber der Weltkindertag wird nicht bewusst zelebriert wie ein Feiertag – Weihnachten oder so; er wird eher als Spielfest gesehen. Von daher müssen wir noch draufsatteln, was die eigentliche Botschaft dieses Tages ist.

Was ist die Botschaft und was sehen Sie für einen Sinn in diesem Tag?

Die Wirkung des Tages an sich darf nicht überschätzt werden. Der Tag steht stellvertretend für die immer geltenden Rechte der Kinder: Für das Recht auf Gesundheit und Bildungschancen. Für das Recht auf eine gewaltfreie Erziehung und Unversehrtheit. Die Kleinen werden bei der Politik der Großen wieder mal übersehen. Das Bewusstsein der Politiker muss geschärft werden. Auch das von Eltern.

Wo liegt die Wurzel der Probleme?

So viele Kinder müssen heute mit Gewalterfahrungen, ohne Zuwendung, mit Ohnmachtsgefühlen und ohne Zukunftsperspektive leben. Es wird ignoriert, dass Kinder das zukünftige Potenzial der Gesellschaft sind. Und dass sie unseres Schutzes bedürfen. Wir müssen daher allen Kindern in ihrer Entwicklung das Bestmögliche zur gesellschaftlichen Teilnahme bieten. Damit sie die Chance haben, vernünftige Biographien zu erarbeiten.

Was tragen Sie konkret dazu bei?

Für Kinder ist Spielen wichtig und es hat in der Entwicklung eine wichtige Funktion – das wird von den Erwachsenen oft abgetan. Wir wollen gemeinsam mit der Stadt den vorhandenen Raum zum Spielen auch zukünftig erhalten und weiter ausbauen. Hattingen hat ein gutes Netzwerk, das sich um Familien kümmert. Wir vermitteln Patenschaften für Kinder aus Familien mit schwierigen Hintergründen. Wir setzen uns dafür ein, Kinder Kinder sein zu lassen und sie in ihrer gesellschaftlichen Entwicklung optimal zu fördern und zu fordern.

Woran fehlt es noch?

Wir wollen dafür sorgen, dass Sprachbarrieren von Zuwandererkindern überwunden werden. Dazu entwickeln wir mit der Caritas und dem Jugendamt gerade ein regelmäßiges Angebot an Sprachkursen. Und wir wollen dafür sorgen, dass Kinder aus minderbegüterten Familien die gleichen Teilnahmechancen an Freizeitangeboten erhalten. Wir setzten uns für Lern- und Lehrmittelförderung ein und zuverlässige Ganztagsbetreuung. Konkret arbeiten wir aktuell an einer Kampagne, die Kinderrechte in Grundgesetz fest verankern soll.

Was ist Ihr größter Wunsch?

Dass wir die Kinder ins öffentliche wie auch persönliche Bewusstsein der Leute zurückholen. Wir haben ein latent kinderunfreundliches Klima hier. Ich wünsche mir, dass Kinder nicht länger als Störfaktor angesehen werden. Kinder gehören zu unserer Gesellschaft. Wir Erwachsenen haben die Verantwortung, sie zu schützen und ihnen in ihrer Entwicklung zu helfen.

Kann ein einzelner Tag im Jahr da überhaupt etwas bewirken?

Im Grunde müsste jeder Tag Weltkindertag sein. Aber wenn die Familien heute eine gute Zeit miteinander haben, dann ist das auch schon ein kleiner Gewinn.

 

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